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Panama Papers : Zweifel an Camerons Offshore-Beichte

David Cameron: Sollten weitere Ungereimtheiten ans Licht kommen, könnte ihn der Fall sogar sein Amt kosten. Bild: AFP

Der britische Premier hat zwar zugegeben, Vermögen auf den Bahamas gehalten zu haben, aber auch betont: Von Steuertricks könne keine Rede sein. Doch die Zweifel an seiner Darstellung wachsen.

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          Am Montag deklarierte David Cameron die Briefkastenfirma in Panama noch als „private Angelegenheit“. Vier Tage später hat er nun eingestanden, dass er und seine Ehefrau zwischen 1997 und 2010 an einem Investmentfonds beteiligt waren, der Anfang der achtziger Jahre in Panama mithilfe der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca gegründet worden war. Die Beichte kommt spät: Von Montag bis Donnerstagabend nämlich erweckte Cameron durch ausweichende und unvollständige Antworten den Eindruck, er habe etwas zu verbergen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Cameron gibt nun an, 2010 Fondsanteile im Wert von rund 30.000 Pfund (38.000 Euro) verkauft zu haben. Alle seine privaten Erträge aus dem Fonds seien ordnungsgemäß in Großbritannien versteuert worden. Zu den Direktoren des Geldanlagevehikels namens Blairmore Holdings Inc. zählte bis zu seinem Tod vor sechs Jahren Camerons Vater Ian, ein vermögender Banker. Benannt ist der Fonds, der mittlerweile offenbar in Irland sitzt, nach einem früheren Familiensitz der Camerons in Schottland.

          Zwei Punkte in Camerons Erklärung sind wichtig: Erstens sagt er, dass er persönlich immer alle fälligen Steuern korrekt bezahlt habe. Zweitens spricht Cameron von einem „fundamentalen Missverständnis“: Der Fonds sei von seinem Vater gar nicht als Steuersparvehikel konzipiert worden. Der dubiose Standort Panama für die Gründung sei vielmehr gewählt worden, damit die Anteilseigner nach der Aufhebung der britischen Kapitalverkehrskontrollen im Jahr 1979 auf Dollar lautende Aktien hätten kaufen können.

          Hat der Premierminister damit den Fall entschärft? Zweifel daran sind angebracht. Denn zumindest der zweite Punkt in Camerons Rechtfertigung wird bereits infrage gestellt. Camerons Erklärung, der Fonds sei in einem einschlägig bekannten Offshore-Finanzzentrum gegründet worden, um Dollar-Aktien kaufen zu können, sei „sehr seltsam“, sagte der Offshore-Finanzexperte Ronen Palan, Professor an der Londoner City University, am Freitag der F.A.Z. „Die Darstellung, dass Blairmore aus diesen Gründen offshore angesiedelt wurde, ist nicht glaubhaft.“

          So sieht das auch der Ökonom Alex Cobham, Forschungsdirektor der Organisation Tax Justice Network in London: „Das überzeugt nicht. Der einzige Grund für Panama war, anders als von Cameron behauptet, doch die Steuervermeidung.“ Als dubios sieht Cobham unter anderem die Managementstruktur des Fonds an: Nach einem Bericht der Zeitung „Guardian“ hat Blairmore Holdings in der Karibik bis zu 50 Pseudo-Direktoren als Strohmänner verpflichtet, um den Eindruck zu erwecken, das Geldanlagevehikel werde nicht von Großbritannien aus gelenkt und sei deshalb dort auch nicht steuerpflichtig. Britische Zeitungen zitieren aus einem Investorenprospekt aus dem Jahr 2006, in dem Blairmore explizit auf die Steuerfreistellung in Großbritannien hinweist.

          Sollte sich herausstellen, dass der Offshore-Fonds – anders als von Cameron behauptet – doch von Anfang an ein Steuersparvehikel war, stünde der Premierminister als Heuchler da: In den vergangenen Jahren hat Cameron nämlich mehrfach Konzerne wie Starbucks und reiche Privatleute wie dem Comedian Jimmy Carr dafür angeprangert, dass sie Offshore-Zentren für legale Steuertricks missbrauchten.

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