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Live-Konzerte : Konzertbesucher zahlen oft zu viel

Eigentlich wären die Konzertkarten für Helene Fischer gar nicht so teuer - doch über indirekte Käufe werden sie unerschwinglich. Bild: dpa

Wer Karten für ausverkaufte Konzerte will, wird im Internet fündig. Das ist teuer und riskant. Eine Tochtergesellschaft von Ebay setzt auf Transparenz und will es besser machen.

          Helene Fischer steht bei vielen Musikfans hoch im Kurs. Ihre Veranstaltungen sind immer ausverkauft. Wer bei der TV-Aufzeichnung der Helene Fischer Show am 25. November im Velodrom in Berlin trotzdem live dabei sein möchte, könnte sich Tickets besorgen, die ein anderer nicht will – und vielleicht auch nie wirklich wollte. Für je 379 Euro stehen noch fünf Eintrittskarten auf dem Internetportal Viagogo zum Verkauf und kosten damit fast das Zehnfache des Originalpreises, der mit 40 bis 49 Euro angegeben wird. Man bezahlt vorher und hofft dann, dass der Verkäufer am Veranstaltungstag tatsächlich auftaucht, um die Eintrittskarten zu übergeben.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Klickt man sich durch das Menü und kommt dem Bezahlen näher, wundert man sich plötzlich: Zwei Karten kosten nämlich nicht 758, sondern 901 Euro, weil Viagogo dem Käufer eine Verkaufsgebühr von 113 Euro in Rechnung stellt, dazu – neben der ausgewiesenen Mehrwertsteuer – auch noch Kosten für die Lieferung von 8,25 Euro. Warum? Schließlich muss ja auch der Verkäufer auf der anderen Seite des Marktplatzes Geld für die Vermittlungsleistung von Viagogo zahlen. Ist so ein enormer Aufschlag eigentlich fair?

          „Fair sind die Preise, die sich am Markt ergeben“, sagt Scott Cutler. „Aber auch nur dann, wenn das Zustandekommen des Preises vollkommen transparent ist.“ Cutler arbeitet nicht für Viagogo, die hierzulande umstrittene Plattform, über die Eintrittskarten für Konzerte und vor allem Fußballspiele der Bundesliga und Champions League weiterverkauft werden. Er ist der neue Chef des amerikanischen Ticket-Portals Stubhub. Der promovierte Jurist, der früher für Großkanzleien und bis vor kurzem für den transatlantischen Börsenbetreiber NYSE Euronext gearbeitet hat, ist extra von San Francisco eingeflogen, um auf dem reichlich undurchsichtigen deutschen Markt Präsenz zu zeigen. Stubhub ist eine Tochtergesellschaft des Internetkonzerns Ebay, die es in den Vereinigten Staaten zum größten Anbieter für den Weiterverkauf von Tickets gebracht hat. Der Anbieter auf dem amerikanischen Sekundärmarkt will jetzt auch den deutschen Markt aufmischen – mit einem ganz neuen und wie Cutler es nennt, „fairen“ Angebot.

          „Wir agieren als reiner Marktplatz“, sagt der Stubhub-Chef, nicht mehr und nicht weniger. Für jedes verkaufte Ticket erhebt das Unternehmen vom Käufer preisunabhängig eine Gebühr von fünf Euro, durch die auch das Versenden der Tickets abgedeckt ist. Mehr noch: Die Verkäufer, die ihrerseits die marktüblichen zehn Prozent des Verkaufspreises an Stubhub abführen müssen, würden erst bezahlt, wenn die Veranstaltung tatsächlich stattgefunden habe. So lange reiche Stubhub das vom Kunden bezahlte Geld nicht weiter. Die Eintrittskarten sollen eben garantiert den Besitzer wechseln. „Dafür haben wir in Luxemburg eine Lizenz als Zahlungsdienstleister beantragt und auch bekommen“, sagt Cutler, „eine Art Seriositätsgarantie“.

          Schlagerstar Helene Fischer füllt Stadien wie hier das Olympiastadion in Berlin manchmal gleich mehrmals nacheinander. Die Karten sind heiß begehrt.

          Nicht immer geht es mit rechten Dingen zu

          Stubhub will einiges anders machen als die Konkurrenz und verspricht den Käufern viel: eine Garantie dafür, dass die Tickets echt und einzigartig sind zum Beispiel, darüber hinaus die Erstattung des Kaufpreises, wenn eine Veranstaltung abgesagt wird, und den Ersatz der Eintrittskarte, falls der Kunde sein Ticket nicht rechtzeitig erhält.

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