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Italien will Hunderte Milliarden : Dante gegen Ratingagentur

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Milliarden wert: das Kolosseum in Rom Bild: dpa

Italien fühlt sich von den Ratingagenturen missverstanden: Wenn die mehr auf Italiens Kultur und Landschaft geachtet hätten, hätten sie Italien nicht so schlecht gemacht. Das Land droht mit einer horrenden Geldforderung.

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          Das Kolosseum in Rom, die sanften Landschaften der Toskana, Dantes „Göttliche Komödie“ - was sind sie in Euro wert? Italien zettelt diese Diskussion gerade ganz neu an, denn der italienische Rechnungshof droht den drei großen Ratingagenturen laut einem Bericht der „Financial Times“ mit einer Klage: Sie hätten Italiens reiches kulturelles und landschaftliches Erbe bei der Bewertung der Bonität nicht genug gewürdigt.

          Die Ratingagentur Standard & Poor's hat offenbar einen Brief von dem Rechnungshof erhalten, in dem es heißt: „S&P hat in seinen Ratings nie Italiens Geschichte, Kunst oder Landschaft betont, die - wie allgemein anerkannt wird - die Basis seiner wirtschaftlichen Stärke sind.“ Ähnliche Briefe sollen auch die beiden anderen großen Ratingagenturen Moddy's und Fitch bekommen haben. Standard & Poor’s hat die Forderungen als „unseriös und unbegründet“ zurückgewiesen.

          Die Ratingagenturen haben während der Eurokrise mit ihren immer wiederkehrenden Herabstufungen immer wieder den Blick auf die schlechte Finanzlage der Krisenstaaten gelenkt. Die Staaten mussten immer höhere Zinsen auf ihre Staatsanleihen zahlen. So haben sich die Ratingagenturen bei Politikern in den Krisenstaaten unbeliebt gemacht.

          Italiens Rechnungshof hat die Agenturen schon in den vergangenen Monaten beschuldigt, mit „verantwortungslosen“ Berichten zu Italiens Schwierigkeiten beigetragen zu haben. Bis heute ist aber umstritten, ob die Ratingagenturen mit ihren Einschätzungen einfach Recht hatten oder ob sie sogar eher spät dran waren, oft stiegen die Zinsen nämlich lange vor den Berichten der Ratingagenturen.

          Jetzt jedenfalls hat der Rechnungshof auch einen Schaden beziffert. In seinem Brief spricht er über mögliche Forderungen von bis zu 234 Milliarden Euro. Das wäre mit Abstand die höchste Forderung an Ratingagenturen oder Banken im Nachlauf der Finanz- und Eurokrise - und würde Italiens Staatsausgaben rund neun Monate lang decken.

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