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Chinesische Apps : Trump knöpft sich Wechat und Tiktok vor

  • Aktualisiert am

Donald Trump gibt vergangenen Montag im Weißen Haus eine Pressekonferenz. Bild: Alex Brandon/AP

Das Weiße Haus geht gegen populäre chinesische Onlinedienste vor, der Streit mit Peking eskaliert. Microsoft erwägt derweil offenbar, noch größere Teile von Tiktok zu kaufen.

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump macht ernst: Mit einer neuen Verfügung gegen Tiktok will er den Verkauf des amerikanischen Geschäfts der beliebten chinesischen Video-App erzwingen. Mit der Verfügung, die in 45 Tagen greifen soll, verbietet Trump Amerikanern, „Geschäfte“ mit Bytedance, dem Eigentürmer der App, zu machen. Zudem knöpfte sich der Präsident auch die vom chinesischen Konzern Tencent angebotene App WeChat vor. Das Vorgehen markierte eine neue Eskalationsstufe in den angespannten Beziehungen mit China.

          Tiktok stelle eine „Bedrohung“ der nationalen Sicherheit dar, hieß es in der am Donnerstagabend veröffentlichten Verfügung. Die App sammle große Mengen an Nutzerdaten und könne es der kommunistischen Partei China ermöglichen, Amerikaner auszuspionieren, hieß es.

          Trump hatte jüngst mit Nachdruck auf einen Verkauf des Amerika-Geschäfts der App an ein amerikanisches Unternehmen gedrängt. Falls sein neuer Erlass nicht noch von einem Gericht für ungültig erklärt werden sollte, dürfte Tiktok in den Vereinigten Staaten in 45 Tagen nicht mehr verfügbar sein.

          175 Millionen Mal heruntergeladen

          Der Softwarekonzern Microsoft brachte sich nach dem massiven politischen Druck aus dem Weißen Haus in Stellung, das Geschäft der Video-App zu übernehmen. Das Unternehmen will bis Mitte September einen Deal mit dem privaten chinesischen Eigentümer aushandeln.

          Auch der Tiktok-Betrieb in Kanada, Australien und Neuseeland soll Teil der Vereinbarung sein, erklärte Microsoft in einem Blogeintrag in der Nacht zum Montag. Nach einem Bericht der „Financial Times“ erwägt das Unternehmen  mittlerweile sogar, das gesamt Geschäft des Videodienstes außerhalb Chinas zu übernehmen – also auch die Aktivitäten in Europa und Indien.

          Das Weiße Haus zitierte Berichte, wonach die App in den Vereinigten Staaten schon 175 Millionen mal heruntergeladen worden sei. Tiktok verzeichnet rasantes Wachstum und gilt schon länger als angesagteste große Plattform bei jüngeren Leuten. Die internationale Videoplattform hat hunderte Millionen Nutzer rund um den Gloubs. Sie können dort eigene Clips hochladen oder Videos von anderen ansehen. Das soziale Netzwerk Facebook versucht, mit dem Kurzvideo-Format Reels bei seiner Fotoplattform Instagram mitzuhalten.

          Warnung vor der Kommunistischen Partei

          Aus dem Weißen Haus hieß es, Tiktok „sammelt automatisch große Mengen an Daten von seinen Nutzern“, darunter auch Geodaten und Suchverläufe. Diese Daten könnten es China erlauben, Angestellte des Bundes oder Dienstleister auszuspionieren oder zu erpressen.

          Tiktok-Eigentümer Bytedance bemüht sich seit einiger Zeit, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. Tiktok versichert, Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt.

          Die Daten von amerikanischen Nutzern würden sowieso in den Vereinigten Staaten gespeichert und verarbeitet, hieß es aus China. In dem Land selbst gibt es nur die zensierte Version der App, Douyin.

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          Wie viel Microsoft für Tiktok zahlen müsste, ist bislang unklar. Es dürfte aber um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen. Microsoft könnte aus dem politischen Gerangel um die App somit als lachender Dritter hervorgehen – der Softwarekonzern hat bislang kein eigenes Social-Media-Geschäft. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Satya Nadella wurde Microsoft neben dem Kerngeschäft vor allem mit Cloud-Angeboten für Unternehmen erfolgreich. Im Geschäft mit Verbrauchern tritt das Unternehmen vor allem mit der Spielekonsole Xbox in Erscheinung.

          In einer weiteren Verfügung verbat Trump Amerikanern auch, Geschäfte mit der chinesischen Social-Media-App WeChat oder deren Eigentürmern zu machen. Das Verbot werde aus Gründen der nationalen Sicherheit ebenfalls in 45 Tagen in Kraft treten. Die Verfügung könnte zu einem Verbot der App in den Vereinigten Staaten führen. Die von Tencent Holdings betriebene App ist in China extrem beliebt, in Amerika aber nur begrenzt verbreitet. Die App bietet Nutzern die Dienste eines sozialen Netzwerks an, Messenger-Services und einen Bezahldienst. Der Aktienkurs von Tencent fiel indes infolge der neuen Ankündigung um mehr als 7 Prozent.

          Trumps Regierung geht schon seit langem gegen den chinesischen Telekommunikationsriesen Huawei vor. Washington verdächtigt diesen, ein Einfallstor für Pekings Spione zu sein. Die Regierung in Washington bemüht sich mit Nachdruck dafür zu sorgen, den Hersteller auch in befreundeten Staaten vom Bau der schnellen 5G-Mobilfunknetzwerke auszuschließen. Auch der chinesische Telekomausrüster ZTE war in Washington zwischenzeitlich in Ungnade gefallen.

          Nach einem langen und intensiven Handelskrieg schlossen China und die Vereinigten Staaten im Januar ein Teilhandelsabkommen ab. Seither hat sich das Verhältnis der größten und zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt jedoch rapide verschlechtert. Schuld daran ist vor allem die Coronavirus-Pandemie, die in China ihren Ursprung genommen hatte. Trump macht China für die von der Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise verantwortlich. Für Trump, der sich im November um eine zweite Amtszeit bewirbt, kommt die Krise zur Unzeit.

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