https://www.faz.net/-gqe-8uujy

Volkswagen : Streit um Sparprogramm wird zur Chefsache

Fertigung des VW Golf in Wolfsburg Bild: dpa

Bei Volkswagen geht es um den Abbau von bis zu 30.000 Stellen. Wie es mit dem „Zukunftspakt“ weitergeht, ist jedoch völlig unklar. Unterdessen will ein Prozessfinanzierer 20.000 Klagen gegen VW bündeln.

          Das Treffen sollte eine Lösung bringen. Doch am Ende fanden die Streithähne keinen Kompromiss. Wie der Volkswagen-Betriebsrat mitteilte, ist das mit Spannung erwartete Krisengespräch zwischen den Arbeitnehmervertretern und dem Management der Marke VW am Montag ohne Ergebnis geblieben. Markenchef Herbert Diess, Personalvorstand Karlheinz-Blessing und der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh hätten die Verhandlungen vorerst vertagt, hieß es. Jetzt soll der Konzernchef Matthias Müller vermitteln: „Wir würden es begrüßen, wenn der Konzern die Umsetzung des Zukunftspaktes und die Einhaltung der Vereinbarungen stärker an sich zieht“, sagte ein Sprecher des Betriebsrats.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der sogenannte Zukunftspakt soll die renditeschwache Hauptmarke VW für den immer schärferen Wettbewerb rüsten. Dafür sollen die Kosten um 3,7 Milliarden Euro sinken. Außerdem baut VW bis zu 30.000 Stellen ab. Der neue Streit um dieses Sparprogramm entzündet sich an den Zeitarbeitern, von denen offenbar mehr gehen sollen als mit dem Betriebsrat vereinbart. Zwar soll das Management vor dem Treffen einen Kompromiss angeboten haben, wonach 2000 Leiharbeiter übernommen würden. Doch den Betriebsräten ging das offenbar nicht weit genug. Die Fronten seien verhärtet, hieß es. Bis Anfang kommender Woche soll das Management neue Vorschläge ausarbeiten.

          Spekulationen um Fake News und Agentengeschichten

          Der VW-Vorstandsvorsitzende Müller versprach am Montag, sich für eine Lösung einzusetzen. Gleichzeitig kritisierte er in einem Brief an die Mitarbeiter, dass interner Streit über die Medien ausgetragen werde. Dadurch entstehe der „fatale und falsche Eindruck, dass es bei VW nur noch gegeneinander und nicht miteinander geht“, heißt es in dem Schreiben, das der F.A.Z. vorliegt. Der Konzern, wie er in diesen Tagen öffentlich dargestellt werde, „ist nicht das Unternehmen, das ich kenne und das mir am Herzen liegt“.

          Statt immer neuer Konflikte brauche VW nun Ruhe und Konzentration, um „die begonnenen Reformen und die Neuausrichtung für die Zukunft gemeinsam zum Erfolg zu führen.“ In dem Brief geht Müller aber noch weiter. Mit „gezielten Fehlinformationen von außen“ werde versucht, „das Bild des Konzerns in der Öffentlichkeit sowie handelnde Personen bewusst zu schädigen“, schreibt er. „Einige Spekulationen hatten zuletzt mehr mit einem schlechten Filmdrehbuch zu tun als mit der Realität.“ Damit spielt der VW-Chef offenkundig auf die Schlammschlacht an, die der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch gegen den Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn und andere Aufsichtsräte eröffnet hat. Der Streit darüber gipfelte zuletzt in Spekulationen über Fake News und Agentengeschichten. Davon solle sich die Belegschaft nicht Bange machen lassen, schreibt Müller. Der Konzernvorstand werde alles tun, um VW vor Schaden zu schützen – „von wem auch immer dieser droht“.

          Weil am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss

          Auch in der Politik sorgt die fortdauernde Krise für Unruhe. VW biete „derzeit kein sehr gutes Erscheinungsbild“, sagte die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) in einem Interview. „Es wird höchste Zeit, dass alle Beteiligten sich zusammensetzen, um diesen Eindruck zu beheben.“ Die Abgeordneten im Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestages beschlossen am Montag, Piëch für die Sitzung am 6. März vorzuladen. Zwar hatte dieser schon am Wochenende über seinen Anwalt mitteilen lassen, das er nicht vor dem Ausschuss erscheinen will. Doch der Vorsitzende Herbert Behrens (Linke) beharrt auf einer Befragung: „Die Sache ist viel zu ernst, als dass man unverbindliche Angebote machen könnte“, sagte er. Als Österreicher ist Piëch aber nicht verpflichtet, vor dem Ausschuss eine Aussage zu machen.

          Weitere Themen

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          SPD-Regionalkonferenz Hamburg : Moin, Moin

          Die Kandidatentour der SPD ist in Hamburg angekommen – der Heimat des Favoriten Olaf Scholz. Aber ist es deshalb auch ein leichtes Heimspiel?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.