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Greetings from Washington : Fragwürdige Klage gegen Airline-Fusion

Das Kapitol in Washington Bild: AP/dpa

Das amerikanische Justizministerium geht gegen die Fusion von US Airways und American Airlines vor. Aber das Vorgehen wirft Fragen auf. Die zweite wichtige Börsennachricht: Der Anleger Icahn kauft sich bei Apple ein und dringt auf mehr Aktienrückkäufe.

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          Das amerikanische Justizministerium, sechs Bundesstaaten und der District of Columbia, also die Hauptstadt Washington, gehen gegen die geplante 11-Milliarden-Dollar-Fusion der Fluggesellschaften US Airways und American Airlines vor. Das überraschende Veto dürfte zu einem ausgewachsenen und langwierigen Kartellverfahren führen. Unklar ist damit auch, ob die Muttergesellschaft von American, AMR Corp., wie geplant schnell aus dem Gläubigerschutz wiedererstehen kann. Die Fusion galt dafür als Voraussetzung. Die Europäische Union hatte dagegen der Fusion vergangene Woche zugestimmt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Durch die Fusion würden etwa 80 Prozent des amerikanischen Flugmarktes durch vier Gesellschaften bestimmt. Delta Air Lines, Southwest Airlines, United Airlines und die Kombination von US Airways und American. Vier Großanbieter sind zu wenig, fürchtet das Justizministerium.

          Doch wettbewerbspolitisch wirft das Vorgehen der Bundesregierung einige Fragen auf. Die eine Frage ist, ob das Justizministerium ein besonderes Auge auf das Eigeninteresse der Regierung an niedrigen Flugpreisen vom Hauptstadtflughafen Washington-Reagan hatte. Der gemeinsame Marktanteil von US Airways und American Airlines läge in Washington-Reagan bei 69 Prozent der Start- und Landeslots. So eine fast monopolartige Situation am Stammflughafen vieler Abgeordneter und Bürokraten kann dem Bundes-Amerika nicht gefallen. Nun ist diese Bemerkung nicht ganz ernst gemeint – und vor allem ließe sich dieses Ballungsproblem schnell in den Griff bekommen, indem das fusionierte Unternehmen ein paar Start- und Landeslots abgäbe.

          Warum sind vier Fluggeselleschaften für den Wettbewerb zu wenig?

          Wichtiger und sehr ernst gemeint ist dagegen die Frage, warum fünf große Fluggesellschaften OK für den Wettbewerb sind, vier aber zu wenig. Schließlich lehrt die herkömmliche Wettbewerbstheorie, dass der Konkurrenzdruck im engen Oligopol am höchsten ist.

          Auch eine andere Überlegung bringt die Klage ins Zwielicht. Die amerikanische Regierung hat 2008 die Übernahme von Northwest Airlines durch Delta Air Lines und 2010 die Fusion von United und Continental Airlines genehmigt. Damit stehen zwei Großfusionen. Man kann nun mit Fug und Recht argumentieren, dass US Airways und American Airlines geradezu fusionieren müssen, um als Großfusion gegen die anderen großen Fluggesellschaften anzukommen. Den beiden Unternehmen den Zusammenschluss zu untersagen läuft dagegen nach dem Motto: Den Letzten beißen die Hunde. Das war noch nie eine gute Grundlage für wettbewerbsrechtliche Entscheidungen.

          An der Wall Street wurde die Kartellklage negativ aufgenommen. Die Aktie von US Airways schloss 13 Prozent im Minus mit 16,36 Dollar. Anteile von American wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters außerbörslich mit 3,17 Dollar gehandelt, 45 Prozent weniger.
          Auch andere Flugaktien wurden schwächer gehandelt.

          Icahn kauft Apple-Aktien

          Den Markt bewegte am späten Dienstag zudem, dass der aggressive Anleger Carl Icahn sich nach eigenen Angaben mit einem bedeutendem Anteil beim Elektronikunternehmen Apple eingekauft hat. Der Anteil soll sich auf mehr als 1,5 Milliarde Dollar belaufen, berichtet die Zeitung Wall Street Journal. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt von mehr als 1 Milliarde Dollar oder weniger als ein Viertel Prozent der Marktkapitalisierung Apples von 445 Milliarden Dollar.

          Icahn hat schon ein erstes Gespräch mit Apple-Vorstandvorsitzendem Tim Cook hinter sich und dringt darauf, dass dieser noch schneller und noch mehr Aktien zurückkauft, um den Börsenwert zu steigern. Die Aktie von Apple wurde am Handelsschluss mit 489,57 Dollar 4,8 Prozent höher gehandelt.

          Der Dow-Jones-Index schloss am Dienstag mit 0,2 Prozent im Plus bei 15451 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 0,28 Prozent auf 1694 Punkte. Der Nasdaq-Index legte 0,39 Prozent auf 3684 Punkte zu.

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