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Supercomputer : Rechenhirne der Neuzeit

Denkmaschine: Der Tianhe-1-Supercomputer im chinesischen Tianjin Bild: dpa

Supercomputer sind die Schaltzentralen moderner Industrienationen. Neben Amerikanern und Japanern versucht sich nun auch China auf dem prestigeträchtigen Markt zu etablieren. Mit Erfolg.

          In Peking knallten die Sektkorken, in Tokio und in New York warfen sie die Planungscomputer noch einmal an: Denn China hat in der Branche der Hochleistungsrechner gerade für ein weiteres Achtungszeichen gesorgt. Während die japanische Fujitsu-Gruppe mit einem ihrer Großrechner den Rekordwert von 10 Billiarden Berechnungen in einer einzigen Sekunde erreicht und IBM sich daran gemacht hat, eine völlig neue Generation von Großrechnern zu entwerfen, haben Wissenschaftler aus dem Reich der Mitte nun einen Computer vorgestellt, der während eines Wimpernschlags nicht nur Hunderte Milliarden Berechnungen ausführen kann, sondern auch mit Chips bestückt ist, die ausschließlich in China entwickelt, gefertigt und verbaut wurden.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Branche horcht auf, die Konkurrenz ist alarmiert. Mit diesen neuen daumennagelkleinen elektronischen Bausteinen wollen sich die Chinesen in der 26 Milliarden Dollar großen Branche der Supercomputer fest etablieren und ihre Wirtschaft auf einen neuen Entwicklungspfad einschwenken lassen. Peking hatte schon vergangenes Jahr mit dem Großrechner „Tianhe-1A“ für Aufsehen gesorgt. Bestückt mit Chips aus Amerika schob der Rechner sich mit einer Leistung von 2,5 Billiarden Berechnungen je Sekunde vorübergehend an die Spitze der prestigereichen Liste der schnellsten Computer der Welt.

          „Weckruf“ für den Westen

          Dort steht heute wieder eine Maschine der japanischen Fujitsu-Gruppe. Doch das soll sich nach den Plänen Pekings rasch ändern. „Wir entwickeln den schnellsten Rechner der Welt“, kündigte Hu Qingfeng, Chefentwickler an der Nationalen Universität für Verteidigungstechnik in Changsha in der Provinz Hunan, an. Hu Weiwu, Chef der Chipentwicklung an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, sagte im Sommer gegenüber Journalisten: „China nutzt bislang ausländische Technologie. Nun wollen wir unsere eigene Technik.“

          Jack Dongarra von der Universität Tennessee nennt das einen „Weckruf“ für den Westen. Sind doch die superschnellen, kühlschrankgroßen und tonnenschweren Rechenmaschinen für moderne Industrieländer unabkömmlich. Mit ihnen werden Simulationen ausgeführt, die von der Grundlagen- bis zur angewandten Forschung, von der Entwicklung besserer Materialien für den Flugzeugbau bis zu neuen Medikamenten der Pharmaindustrie reichen. Ohne die Rechenleistungen von Supercomputern läuft da nichts mehr. Sie sind Schaltzentralen wirtschaftlicher und industrieller Entwicklungen. Tief in ihrem Inneren ticken Tausende Prozessoren, die Herzstücke eines jeden Rechners.

          „Dieser Computer ist ein Schlüsselinstrument für unsere Industrie“

          Auf diesem Gebiet hatte China bis vor wenigen Jahren nichts zu bieten. Dann kaufte der Pekinger Computerhersteller Lenovo die PC-Sparte von IBM. Seitdem spielt Computertechnik in den Planungen der Wirtschaftslenker des Landes eine zentrale Rolle. So betreibt China heute zwei nationale Zentren für Supercomputer. Ein drittes ist im Bau, ein viertes geplant. Lenovo ist heute zweitgrößter PC-Hersteller der Welt. Einen namhaften Chiphersteller hat China bislang nicht. Klaus Gottschalk, Architekt von Supercomputern der amerikanischen IBM-Gruppe, meint, „China sieht Supercomputing als Wachstumsmotor“. So peilt Chefentwickler Hu Qingfeng eine Rechenmaschine mit der Leistung von 100 Billiarden Berechnungen je Sekunde an. Ähnliche Ziele haben auch Amerikaner und Japaner. Sie dominieren bisher den Markt. So stehen Computer von IBM, NEC, Fujitsu und Cray in vielen Firmen und Forschungsinstituten der Welt. Diese Rechenhirne der Neuzeit werden seit 25 Jahren von einer Gruppe internationaler Wissenschaftler rund um den Deutschen Hans Meuer zweimal im Jahr statistisch nach verschiedenen Leistungskriterien erfasst und aufgelistet. Mitte November wird die neue Liste veröffentlicht. In den Tabellen stehen auch chinesische Rechner. Nach der wirtschaftlichen Aufholjagd der vergangenen drei Jahrzehnte betrachtet Peking die Forschung als treibende Kraft der weiteren Entwicklung. Supercomputer stehen da im Zentrum.

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