London nach den Spielen :
Olymp und Hades

Von
Oliver Jungen
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Auch London will glitzern und rammt steile Zähne wie das Hochhaus „The Shard“ in die Innenstadt
Auch London will glitzern und rammt steile Zähne wie das Hochhaus „The Shard“ in die InnenstadtGetty Images

Nach den Spielen, vor der Zukunft: Im Osten Londons entsteht ein neuer Stadtteil, und zwar mitten in einem alten Stadtteil. Das ist so spannend wie gewagt, denn der Motor der Veränderung ist der entfesselte Kapitalismus. Eine Besichtigung.

London verarmt, und zwar an seinem Reichtum. Es ist ein dubioser Reichtum, der London nicht gehört. Vielmehr gehört London mehr und mehr diesem Reichtum, auch wenn die Stadt nach neuesten Schätzungen von Oxford-Ökonomen im laufenden Haushaltsjahr zehn Milliarden Pfund Überschuss erwirtschaften dürfte. Die Metropole verkommt dabei zum Finanzplatz. Der „Shard“, der mitten in die Stadt gerammte, durch die Königsfamilie von Qatar finanzierte Glas-Stahl-Riesenzahnstocher Renzo Pianos, ist nur ein weiteres Beispiel für das Aggressive, Austausch- und Abwaschbare internationaler Geldfassaden. Dabei waren Vielfalt und noble Zurückhaltung lange Zeit die Kennzeichen dieser stolzen und doch verschmitzten Weltstadt. Der Autor John Lanchester, der mit seinem Roman „Capital“ soeben ein bedrückendes Porträt von Europas Hauptstadt der Gentrifizierung vorgelegt hat, hofft im Namen der Kultur denn auch, so hat er jüngst bekannt, auf das Platzen der Immobilienblase, auf die rettende Verarmung. Doch selbst jetzt, mitten in der Finanzkrise, werde die Blase größer und größer, Wohnraum immer unbezahlbarer, denn Londons Betongold locke Kapitalflüchtlinge aller Krisenökonomien an.
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