Im Norden Griechenlands : Beim Zeus

Wer durch den Nordwesten Griechenlands fährt, spürt von der Krise wenig: Die Schaufenster sind voll, die Museen leer, und in Dodona steht der Besucher allein unter der heiligen Eiche des Zeus.
An diesem Nachmittag hängt ein Vorhang aus Regenwolken über Kastoriá. Das elegante Café „Byzantio“ in einem klassizistischen Gebäude am Omonia-Platz hat vor einigen Monaten Pleite gemacht und steht seitdem leer. Auf einem Transparent über dem Kafenion an der Nordseite des Platzes, in dem sich zwei ältere Ehepaare über ihre Ouzo-Gläser beugen, wirbt der örtliche Musikverein um Mitglieder. Der Kinderspielplatz vor der kleinen Kirche des heiligen Nikolaos Kasnitzi liegt ausgestorben da, die Freskenreste an der Außenwand der Dreiheiligenkirche schimmern trüb im schwindenden Licht. Vor der Taxiarchenkirche weiter unten am Hang sitzt ein junges Paar küssend im Nieselregen. „Poleitai“, zu verkaufen, steht an vielen Häusern auf dem Weg zum Seeufer. Es sieht alles genau so aus, wie man sich den Alltag der Krise in einer griechischen Provinzstadt vorstellt, an einem Ort, den selbst die Demonstranten meiden, weil sich kein Fernsehteam je hierher verirrt.





