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Quellen in Bad Brambach : Dreimal täglich langsam trinken

Hundert Jahre Heilbad: Quellen gibt es viele, aber nirgendwo ist das Radon so stark wie hier. Bild: Stefan Locke

Einst war Bad Brambach im Arbeiter-und-Bauern-Staat weltberühmt für sein Mineralwasser und seine Limonade. Nun werden an der stärksten Radonquelle der Welt viele Schmerzen gelindert – aber leider nicht alle.

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          Die bronzene Wettina kniet im Quelltempel auf einem halbhohen Sockel und hält eine Rhododendron-Blüte in den Händen, aus der das Wunderwasser in einen Becher fließt, sobald die Rezeptionistin den entsprechenden Knopf drückt. Für Tagesgäste bleibt der Becher halb voll, mehr gibt es nur auf ärztliches Rezept, denn das sprudelnde Nass ist die stärkste Radonquelle der Welt. Siebenhundertsiebzig Nanocurie je Liter ergab die Laboranalyse, und für Nichtphysiker wie den letzten sächsischen König Friedrich August III. war das Phänomen, das dereinst noch aus einer matschigen Wiese hervorsprudelte, schier unbegreiflich: „Was denn, aus diesem Dreckloch soll ich saufen?“, rief der für seine gelegentlich vulgär volkstümliche Ausdrucksweise bekannte Monarch 1912 beim Besuch der neu entdeckten und für heilend befundenen Quelle angeblich aus. Letztlich aber gab er sein Plazet, den Ort ihm und seinem Stamm zu Ehren künftig Wettin-Quelle zu nennen.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die Entdecker umbauten das kostbare Nass dann mit besagtem Tempel inklusive ionischer Säulen, der trotz eines Schickimicki-Glasanbaus aus der Nachwendezeit bis heute das Zentrum der Kuranlagen in Bad Brambach ist. Das Dorf im bayerisch-böhmisch-sächsischen Dreiländereck ist die südlichste Gemeinde des Vogtlands und war einst der südlichste Punkt der DDR. Beinahe wie eine Exklave reicht der Ort ins Böhmische, das hier wiederum auf fast dieselbe Weise nach Deutschland hineinragt. Im Westen des Kurparks, dort, wo man immer wieder auf deutsch-tschechische Grenzsteine stößt, bekommt man eine Ahnung davon, wie eng verzahnt beide Gebiete trotz der seit achthundert Jahren gezogenen Grenze sind. Und auch die Bäder-Tradition eint beide, die etwa in Franzensbad schon hundert Jahre früher begann, nämlich Ende des neunzehnten Jahrhunderts, als Kaiser Franz II. dem Kurort seinen Namen gab.

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