Proteste in Iran : Für mehr Freiheit

Die Unzufriedenheit entlädt sich in Iran regelmäßig in landesweiten Protesten. Diesmal scheut das Regime (noch) vor dem Einsatz von Gewalt zurück.
Es wäre voreilig, die Iranerin Mahsa Amini mit dem tunesischen Gemüsehändler Muhammad Bouazizi zu vergleichen. Ende 2010 führte dessen Selbstverbrennung zum Sturz des Diktators Ben Ali und löste die arabischen Massenproteste des Jahres 2011 aus.
Und doch gibt es Parallelen. Beide wurden Opfer von Unrechtsregimen, und der Tod beider hat in der Bevölkerung große Anteilnahme hervorgerufen. Ein Ende der Islamischen Republik ist aber vorerst nur Wunschdenken.
Zwar gehen Iraner in einem fast schon regelmäßigen Rhythmus zu Protesten auf die Straße, mal wegen der wirtschaftlichen Not, mal wegen der Einschränkungen der Freiheit. Nie aber ließ die Führung einen Zweifel daran, dass sie bereit ist, Widerspruch mit Waffengewalt niederzuschlagen.
Regime gesteht Fehlverhalten ein
Das ist nun nach dem Tod von Mahsa Amini, der auf das Konto der übergriffigen Sittenpolizei geht, anders, zumindest bislang. Selbst eingefleischte Hardliner in der Teheraner Führung gestehen ein Fehlverhalten ein. Offenbar fürchten sie, dass solche Vorfälle die Legitimation der Herrschenden untergraben.
Daher wollen sie Druck aus dem Kessel nehmen. Der Lackmustest wird sein, ob die Spitze der Islamischen Republik wirklich zu Reformen bereit ist wie der Abschaffung der rigiden Bekleidungsvorschriften für die Frauen.
Viele Iraner, die eine andere Republik wollen, Frauen wie Männer, werden sich damit aber nicht mehr begnügen.






