Waffenruhe in Oleschky : Seit Langem einmal etwas Positives

Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez verlor durch den Krieg seine Heimat im Donbas. Heute versucht er anderen zu helfen.
Am Mittwoch hatte Dmytro Lubinez erstmals seit Langem etwas Positives zu verkünden. „30 Stunden Ruhe in Oleschky ohne jeglichen Zwischenfall“, erklärte der Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments auf Telegram. Die von Russland besetzte ukrainische Stadt südlich von Cherson war monatelang von der Außenwelt nahezu abgeschnitten. Versorgung oder Evakuierung der dort verbliebenen rund 2000 von einst 24.000 Einwohnern waren wegen Beschusses und Minen praktisch nicht möglich.
Lubinez dankte deshalb auch seinem russischen Counterpart Jana Lantratowa, mit der er „in ständigem Austausch“ zu Oleschky sei. Dass sich die russische Seite an die Vereinbarung hält, ist auch etwas Neues für die Ukraine, die zuletzt mehrfach von den USA angeregte Waffenruhen etwa im Energiesektor eingehalten hatte, während Russland die ukrainische Energieinfrastruktur weiterhin aus der Luft zerstörte. Im Fall Oleschky hatte sich allerdings auch Melania Trump, die Ehefrau des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, eingeschaltet, und Moskau will Washington offenkundig nicht verärgern.
Zuständig für den Schutz von Gefangenen und Soldaten
Als Ombudsmann für Menschenrechte, zu dem ihn das ukrainische Parlament 2022 wählte, ist Lubinez für den Schutz der Bürgerrechte, insbesondere von Zivilisten, Gefangenen und Soldaten zuständig. Dazu zählen etwa die Rettung von Menschen aus Kampfgebieten, die Ausreise von Ukrainern aus den von Russland besetzten Städten und Dörfern oder Beschwerden über die sogenannte Bussifizierung, also das Rekrutieren von Männern von der Straße für die Armee. Erst im September warnte er davor, dass die Lage dabei außer Kontrolle zu geraten drohe.
Lubinez kam 1981 in Wolnowacha zur Welt, einer Kleinstadt im Gebiet Donezk. Er studierte in Donezk und Charkiw Internationale Beziehungen und Jura, und arbeitete als Rechtsanwalt. Seine politische Laufbahn begann im Stadtrat seiner Heimatstadt. 2014 wurde er für die Partei „Europäische Solidarität“ des damaligen Präsidenten Petro Poroschenko in die Werchowna Rada, das ukrainische Parlament, gewählt. 2019 dann gewann der verheiratete Vater zweier Kinder seinen Wahlkreis im Donbas als unabhängiger Bewerber.
Heute existierte seine Heimat so, wie er sie kannte, nicht mehr. Schon vor dem Überfall Russlands 2022 hatte es schwere Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten, ins Land filtrierten russischen Militärs und ukrainischen Streitkräften gegeben. 2022 wurde Wolnowacha durch russische Bombardements zu 90 Prozent zerstört. Die Überlebenden mussten zum Teil über Wochen ohne Strom, Lebensmittel und sauberes Wasser aushalten. Eine ähnliche Lage wie in Oleschky, wo Lubinez nun hofft, dass die Waffenruhe ausreicht, um die Menschen außer Gefahr zu bringen.





