Frankfurter Zeitung 18.02.1929 :
Die Kirche muss sich erneuern

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Kirche St. Marien in Güstrow um 1930
Kirche St. Marien in Güstrow um 1930Picture-Alliance

Mit Unterzeichnung des Lateranvertrags durch den Papst und Mussolini wird der Vatikanstaat gegründet. Die Kirche versucht auch hierzulande wieder an Bedeutung zu erlangen. Doch dafür muss sie dem Zeitgeist gerecht werden. Ein Kommentar.

Die Aussöhnung von Kirche und Staat in Italien stellt neben der Kältewelle das Hauptgesprächsthema dieser Tage. Man treibt „Motiv-raten“. Gibt der Papst die geistige Macht seiner weltlichen Isolierung auf, um – weltliche Macht zu gewinnen? Will er sich wie ehedem mit dem Thron nunmehr mit dem „Bündel“ verbinden, als der neuesten autoritären Macht dieser Welt? Hat er als Italiener gehandelt, dem die Beilegung eines jahrzehntelangen Streites zwischen der Nation, der er entstammte, und der Kirche, die er zu lenken hat, am Herzen lag? oder lagen dem Schritte weitausschauende Pläne des übernationalen Stellvertreters Christi zu Grunde? Vielleicht ist man so gewohnt, die römische Politik im Gegensatz zu der sonst getriebenen kurzatmigen Staatspolitik sub specie aeternitatis zu betrachten, daß man den Schritt des Papstes zweckbetonter beurteilt, als er ist. Man geht aber wohl in keinem Falle fehl, wenn man ihn in Zusammenhang bringt mit dem Bestreben der Kirche, ihre religiöse Position im bürgerlichen Dasein zu verstärken.

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