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Kommentar : Trumps Handelspolitik strotzt vor Ahnungslosigkeit

Der amerikanische Präsident Donald Trump Bild: dpa

Donald Trumps Ankündigung, Strafzölle auf Aluminium und Stahl zu erheben, macht eines deutlich: Der amerikanische Präsident hat von Außenwirtschaft und Handelspolitik keine Ahnung.

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          Was soll man von dem Präsidenten eines in die Weltwirtschaft tief und breit eingebetteten Landes halten, der allen Ernstes glaubt, einen Handelskrieg dadurch gewinnen zu können, dass man Schluss macht mit dem Handel? Welche Ahnungslosigkeit! Welche Unkenntnis der außenwirtschaftlichen Verflechtungen! Vielleicht sollte Donald Trump sich mal in Ländern umsehen, die sich abgeschottet haben und deren Außenhandel minimal ist. Dann könnte er nämlich sehen, wie schlecht es der Bevölkerung in diesen Ländern geht. Aber Trump hat seinen Wählern „America first“ versprochen, und die haben eben den Unsinn geglaubt, dass eine Politik der Abschottung die alten Industriereviere der Vereinigten Staaten wieder zum Erblühen bringen werde; dass es wieder so werde wie früher.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          (K.F.), Politik

          Mal von dem offenkundigen Chaos und den handelspolitischen Machtkämpfen im Weißen Haus abgesehen: Trump hat seine Entscheidung, Strafzölle auf Stahl und Aluminium zu erheben, nur Stunden nach der Rede des russischen Präsidenten verkündet, in der Putin dem Westen mit neuen Atomwaffen gedroht hatte. Anstatt also den engen Schulterschluss und nach einer gemeinsamen Antwort auf die russische Aufrüstungsprotzerei zu suchen, macht der amerikanische Präsident einen Schritt, der zu einem Handelskrieg führen könnte – auch gegen die Partner Amerikas. Die sind betroffen und fühlen sich provoziert. Man muss jetzt ruhig Blut wahren, damit die Sache nicht aus dem Ruder läuft; die Europäer haben zudem politische Verbündete im Kongress, auch bei den Republikanern, die ganz gewiss nicht wollen, dass ihre Bundesstaaten unter die Räder einer handelspolitischen Eskalation kommen.

          Trump kümmert es nicht, dass sein Ruf bei Amerikas Partnern miserabel ist; gerade in Deutschland. Das Misstrauen zieht das Ansehen herunter, das die Vereinigten Staaten ganz generell genießen. Und dieser Ansehensverlust wirkt wie eine Barriere gegen eine enge transatlantische Partnerschaft. Sie ist fast so hoch wie gegen Ende der Bush-Jahre. Trump scheint nicht begreifen zu wollen, wie wertvoll diese Partnerschaft ist, zumal in Zeiten, in denen autoritäre Regime auf dem Vormarsch sind, wie China, oder, wie Russland, eigene Schwäche dadurch überkompensieren, in dem sie alles tun, um den Westen zu spalten. Es ist tragisch: Das Nullsummen-Denken hat in Washington genauso mächtige Anhänger wie in Moskau.

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