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Trump-Kommentar : Unbeliebt, na und?

Sollten sich Amerika und Europa ähnlich sein? Solche Überlegungen sind für Donald Trump alles Hirngespinste. Bild: AP

Die Beliebtheitswerte des amerikanischen Präsidenten in Europa sind im Keller. Donald Trump spielt das in die Karten.

          So weit stimmt es: Er sei nicht von Europäern gewählt worden, sondern von Amerikanern, hat Präsident Trump gesagt, als er eine neue Kanonade gegen europäische Länder losließ, die für Verteidigung zu wenig Geld ausgäben (was für eine Mehrheit tatsächlich zutrifft). Schon weniger eindeutig ist die Schlussfolgerung, seine Unbeliebtheit in Europa sei Indiz dafür, dass er seine Arbeit gut mache. Es ist schließlich denkbar – und wird ja in Festreden von außenpolitischen Traditionalisten immer wieder bekräftigt –, dass amerikanischen Interessen am besten dann gedient ist, wenn sie nicht gegen Verbündete verfolgt werden, sondern mit ihnen. Auf dass es vielleicht heißen könnte „West first“.

          Präsidenten der jüngeren Vergangenheit haben sich weiß Gott nicht um europäische Beliebtheitspreise beworben: In seiner ersten Amtszeit zerlegte George W. Bush mit seiner (Irak-)Politik Europa; zu Beginn der zweiten sang er das Hohelied auf die Partnerschaft mit den Europäern. Er hatte seine Erfahrungen gemacht. Allianzen haben nämlich einen Wert, auch für Amerika! Trump aber, von Zöllen besessen und auf Militärausgaben fixiert, droht lieber den Europäern, er mag sie nicht  – und führt gleichzeitig Handelskrieg gegen China. Ist das, sieht man einmal von innenpolitischen Kalkülen ab, vernünftig? Über den Verlust von „Soft power“ helfen große Sprüche nicht hinweg.

          Allerdings, und das ist auch richtig, können schlechte Umfragewerte in Europa für einen Präsidenten nicht der entscheidende Maßstab sein, zumindest nicht der einzige, an dem er sein Verhalten ausrichtet. Reagan war in Deutschland nicht beliebt (und fand sich später politisch „rehabilitiert“), Bush der Jüngere war es auch nicht. Republikaner haben von vornherein einen schweren Stand. Der Demokrat Carter war aus anderen Gründen nicht sonderlich gelitten. Obama wurde zunächst bejubelt, aber die Begeisterung flaute dann doch ab.

          Europäer im Allgemeinen und die Deutschen im Besonderen sind amerikanischen Präsidenten immer dann besonders zugetan, wenn sie glauben, die stünden ihnen nahe, im Stil, im Habitus, in den Prioritäten; man könnte dann sagen: je weniger amerikanisch, desto besser und desto beliebter. Aber dann sind sie überrascht bis enttäuscht, wenn die praktische Politik „amerikanisch“ ist, wenn die Methoden „typisch“ amerikanisch sind, also robust; wenn es amerikanische Interessen sind, die in erster Linie bedient werden, wenn dann doch hier und da unilateral vorgegangen wird – und Einwände und Bedenken der Europäer freundlich übergangen werden. Und das ist so selten ja nicht.

          Wirklich entzweiend wird es dann, wenn es zum Prinzip erhoben wird, so wie Trump das tut. George H.W. Bush steht nicht im Verdacht, amerikanische Interessen vernachlässigt zu haben. Aber er vernachlässigte dabei gewiss nicht die Interessen und Besonderheiten der Verbündeten der Vereinigten Staaten. Deswegen wurde seine Leistung als Staatsmann neulich ganz zu Recht als herausragend gewürdigt. Über den strategischen Wert von Amerikas Allianzen brauchte er nicht belehrt zu werden.

          Wenn Europa Trump nicht mag, umso besser

          Eine andere spannende und viel grundsätzlichere Frage ist die: Wie ähnlich müssen sich Amerika und Europa eigentlich sein, damit ihre Verbindung nicht dauernd unter Druck kommt und die Gefahr der Ruptur besteht? Im Kontext des Irak-Krieges war viel von dem Gegensatzpaar Mars und Venus die Rede; es war die Schöpfung des Publizisten Robert Kagan. Mars stand für ein militärisch entschlossenes bis draufgängerisches Amerika, Venus für ein ultrapazifistisches, dialogverliebtes Europa. Das war holzschnittartig, übertrieb vielleicht die Gegensätzlichkeit, aber es war etwas daran. Als Lösung wurde damals formuliert, dass Mars etwas mehr Venus und Venus etwas mehr Mars werden müsse, nicht zuletzt in militärischen Dingen.

          Das rief wiederum andere besorgte Stimmen auf den Plan: Ist es wirklich wünschenswert, wenn Amerika Europa ähnlicher werde? Und damit dort beliebter?

          Das sind für Donald Trump natürlich alles Hirngespinste. Er ist der Präsident eines Amerika, das sich als Verlierer der Geschichte sieht und in dem jetzt ein roher Nationalismus triumphiert. Und wenn die Europäer ihn nicht mögen, umso besser.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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