Kommentar :
Gemeinsame Interessen mit der Türkei

Klaus-Dieter Frankenberger
Ein Kommentar von
Lesezeit:

Seien wir ehrlich: Die Diskussion über die europäischen Aussichten der Türkei ist immer unehrlich geführt worden. Vielleicht ist der britische Weg ein Vorbild.

Es wäre ein Hammer, würden die EU-Länder die Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei jetzt abbrechen. Den Aufschrei, den es gäbe, kann man sich vorstellen.

Und dennoch ist an der Bemerkung des österreichischen Kanzlers, die Beitrittsgespräche seien nur noch diplomatische Fiktion, viel Wahres. Nicht wenige EU-Staaten sind von einem Beitritt der Türkei alles andere als begeistert, zumal er den inneren Zusammenhalt weiter erodieren ließe - Ankaras Interesse an der EU wiederum hat in den vergangenen Jahren merklich nachgelassen. Der autoritäre Kurs, den die Führung um Erdogan schon geraume Zeit verfolgt, hat die Distanz zu „Europa“ wachsen lassen.

Aber seien wir ehrlich: Die Diskussion über die europäischen Aussichten der Türkei ist immer unehrlich geführt worden. Natürlich sind ihre kulturell-religiöse Prägung und die geopolitische Lage von Belang. Ist sie überhaupt ein „europäisches“ Land?

Auf der anderen Seite ist es auch richtig, dass uns mit der Türkei wichtige Interessen verbinden. Vielleicht könnte das künftige Verhältnis Britanniens zur EU Vorbild sein und einen Ausweg eröffnen.