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Untersuchungsbericht : Gewalt bei Beerdigung von Journalistin hat keine Folgen

Israelische Polizisten im Mai beim Einsatz während des Trauerzugs für die getötete Journalistin Shireen Abu Akleh in Jerusalem Bild: AFP

Die israelische Polizei hat ihr Verhalten bei dem Trauerzug für die getötete Journalistin Shireen Abu Akleh untersucht. Laut Medienberichten soll Fehlverhalten festgestellt worden sein. Der Bericht wird aber nicht veröffentlicht.

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          Ein Untersuchungsbericht der israelischen Polizei zum Verhalten von Sicherheitskräften bei der Beerdigung Shireen Abu Aklehs bleibt unter Verschluss. Laut einem israelischen Medienbericht kommt die Untersuchung zu dem Schluss, es habe ein Fehlverhalten der Polizei vorgelegen. Der von gewaltsamen Szenen begleitete Trauerzug für die „Al-Jazeera“-Journalistin, die Mitte Mai während einer israelischen Militäroperation im Westjordanland erschossen worden war, hatte zu massiver Kritik am Verhalten Israels geführt.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Der Bericht wurde am Mittwochabend dem Minister für öffentliche Sicherheit, Omer Bar-Lev, übergeben. In einer begleitenden Stellungnahme nannte Polizeiinspekteur Kobi Shabtai den Trauerzug für Abu Akleh Mitte Mai in Ostjerusalem ein „komplexes Ereignis“. Angesichts der „schwierigen Szenen“ könne man nicht „indifferent“ bleiben, schrieb er. Videoaufnahmen hatten gezeigt, wie israelische Polizisten in ein Krankenhaus eindrangen, mit Blendgranaten schossen und auf palästinensische Teilnehmer des Trauerzugs sowie auf Sargträger einprügelten, so dass der Sarg beinahe zu Boden gefallen wäre.

          Polizeiinspekteur Shabtai verwies in seiner Stellungnahme allerdings auf „Randalierer“, welche „gewaltsam Unruhe gestiftet“ hätten. Der Untersuchungsbericht sei angefertigt worden, um bei ähnlichen Vorfällen künftig „das Einsatzverhalten zu verbessern“. Zu welchem Ergebnis der Bericht hinsichtlich des Verhaltens der Polizisten kam, wurde nicht mitgeteilt.

          Die linksliberale israelische Zeitung „Haaretz“ schrieb am Donnerstag unter Berufung auf ungenannte Quellen, dass die Schlussfolgerung des Berichts zwar auf Fehlverhalten der Polizei hinauslaufe. Allerdings werde dies keine disziplinarischen Folgen für die befehlshabenden Offiziere haben. Dies sei schon vor dem Abschluss der Untersuchung beschlossen worden.

          Abu Akleh war am 11. Mai erschossen worden, als sie über eine israelische Militäroperation im Flüchtlingslager von Dschenin berichtete, einer Stadt im besetzten Westjordanland. Auch ihr Kameramann wurde beschossen und getroffen. Beide hatten Schutzwesten und Helme getragen. Mehrere Organisationen und Medien sind auf der Basis der verfügbaren Fakten zu dem Schluss gekommen, dass der tödliche Schuss, der die erfahrene Journalistin in den Kopf traf, mit hoher Wahrscheinlichkeit von der israelischen Seite kam.

          Die Staatsanwaltschaft der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) teilte Ende Mai mit, eine Untersuchung habe ergeben, Abu Akleh sei „direkt und vorsätzlich“ von einem israelischen Soldaten erschossen worden. Die israelische Armee hat es als denkbar bezeichnet, dass ein Soldat versehentlich in Richtung der Journalistin geschossen habe. Israel hat die PA aufgefordert, die Patrone des tödlichen Schusses zu übergeben, um diese Möglichkeit zu prüfen. Die PA hat dies abgelehnt, da sie laut eigener Aussage keine objektive Untersuchung von der israelischen Seite erwartet.

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