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Lockerungen treten in Kraft : Portugal will Gesellschaft und Wirtschaft entlasten

Ein junge Frau schaut auf Lissabon Bild: AP

Trotz der Delta-Variante sinkt die Inzidenz in Portugal leicht. Jetzt sollen Restriktionen fallen. Und im September könnte in manchen Fällen die Maskenpflicht aufgehoben werden, sofern das Impfziel erreicht wird.

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          Der Rückgang hält sich in Grenzen, doch Portugal wagt einen Neustart. Ausgerechnet zu Beginn der Urlaubssaison hatte dort die Delta-Variante ihren Vormarsch auf dem europäischen Festland begonnen und die Infektionszahlen in die Höhe schnellen lassen. Die portugiesische Regierung ist zuversichtlich, dass diese Entwicklung erst einmal gestoppt ist.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Am Sonntag traten erste Lockerungen in Kraft. Jetzt sei die Zeit, wieder „einen Schritt nach vorne zu machen“, sagte Ministerpräsident António Costa: Portugal wolle Wirtschaft und Gesellschaft schrittweise befreien. Das stehe „im Einklang mit dem Tempo der Impfungen, die in erheblichem Maße dazu beigetragen haben, diese Maßnahmen zu ermöglichen“, sagte Costa. Bis zum Wochenende sollten 57 Prozent der Portugiesen geimpft sein.

          Seit dem 21. Juli sinkt die Inzidenz wieder. Damals war mit mehr als 4300 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden ein neuer Höhepunkt erreicht worden, Hotspots waren Lissabon und die Algarveküste. Am vergangenen Samstag wurden dann nur noch 2590 neue Fälle registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt inzwischen bei etwa 200 Fällen je 100.000 Einwohner. Das ist deutlich niedriger als im Nachbarland Spanien und in Großbritannien, das zuletzt mit einem starken Rückgang Aufsehen erregt hatte.

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          Das ermutigt die Regierung, die Restriktionen zu lockern, die seit Juni dazu beigetragen hatten, die jüngste Welle in den Griff zu bekommen. Obwohl auf die Delta-Variante bis zu 98 Prozent der Neuinfektionen zurückgeführt werden, endete am Sonntag die nächtliche Ausgangssperre, die bislang von 23 Uhr bis 5 Uhr des folgenden Tages für alle Landkreise mit einer besonders hohen Inzidenz galt. Davon waren auch der Großraum Lissabon und Städte wie Faro, Lagos und Porto betroffen. Restaurants und Bars dürfen wieder bis 2 Uhr öffnen. Für deren Innenräume ist an Wochenenden und Feiertagen – wie auch für Fitnessstudios, Sport- und Kulturveranstaltungen – ein digitaler Impfnachweis oder ein negativer Corona-Test vorgeschrieben. Er muss auch bei einer Hotelübernachtung und bei der Einreise vorgelegt werden. Aus der Homeoffice-Pflicht wird nur noch eine Empfehlung.

          Bisher schlechte Erfahrungen mit Lockerungen

          Die zweite Phase des Lockerungsplans ist für September vorgesehen, sobald 70 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind. Dann müssen Masken nur noch bei größeren Menschenansammlungen und in Innenräumen, aber nicht mehr im Freien getragen werden. Nachtklubs und Bars, die seit März 2020 geschlossen sind, sollen voraussichtlich im Oktober wieder öffnen, wenn 85 Prozent der Portugiesen einen vollständigen Impfschutz haben.

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          Die Impfkampagne hatte dazu beigetragen, dass die jüngste Corona-Welle nicht zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führte wie im Februar. Die Zahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern und der Corona-Toten nahm zwar zu, aber nicht so dramatisch. Es infizierten sich vor allem jüngere ungeimpfte Portugiesen, von denen nur wenige schwer erkrankten. Ende Februar wurden an manchen Tagen mehr als 300 Tote registriert, am Samstag waren es 17. Auch die Zahl der Corona-Patienten sank weiter.

          Die sich bessernden Zahlen ändern jedoch nichts daran, dass das Robert Koch-Institut (RKI) Portugal als Hochrisikogebiet einstuft. Für deutsche Rückkehrer, die weder vollständig geimpft oder genesen sind, bedeutet das weiterhin mindestens fünf Tage Quarantäne.

          Portugal hatte schlechte Erfahrungen mit zu schnellen Lockerungen gemacht. Nach den Weihnachtsfeiertagen hatte mit der britischen Alpha-Mutante eine verheerende Welle das Land überrollt. Erst Anfang Mai wurde der Ausnahmezustand aufgehoben, bevor im Juni dann Delta kam und die Bewegungsfreiheit der Menschen wieder eingeschränkt wurde. Zeitweise stufte das RKI das ganze Land als Virusvariantengebiet ein.

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