https://www.faz.net/-gpf-acv22

Biden und Putin : Keine kalten Krieger

Biden und Putin während des Treffens in Genf Bild: EPA

Der Ertrag der Zusammenkunft der beiden Präsidenten ist überschaubar. Darüber muss man aber nicht enttäuscht sein. Die Normalisierung des diplomatischen Betriebs ist ein wichtiger Anfang.

          2 Min.

          Joe Biden und Wladimir Putin haben sich in Genf getroffen und sich die Hand gegeben – was prompt zu übersteigerten Decodierungsversuchen führte. Sie haben über kontroverse Themen und über Verhalten gesprochen, das wechselseitig als missliebig bis feindselig empfunden wird. Sie sind nicht wütend auseinandergegangen, sondern mutmaßlich in der Absicht, das schlechte bilaterale Verhältnis nicht in den Dauerfrost zu schicken, sondern es auf eine berechenbare Basis zurückzuführen. Putin, so hat es Biden nach dem Ende der Unterredung gesagt, habe kein Interesse an einem neuen kalten Krieg. Das wäre, so muss man ergänzen, nicht schlecht; die Hebel dafür freilich hält in erster Linie der Machthaber im Kreml in der Hand: die Aggression gegenüber der Ukraine, die Repression der russischen Opposition, die Unterstützung autoritär-diktatorischer Regime, die Hackerangriffe gegen westliche Infrastruktur und politische Institutionen.

          Dass der Ertrag der Zusammenkunft am Genfer See, die von einer Art Sechziger-Jahre-Stimmung umweht war, überschaubar war, überrascht nicht. Darüber muss man auch nicht enttäuscht sein. Die Normalisierung des diplomatischen Betriebs; die Aufnahme eines strategischen Stabilitätsdialogs und Gespräche über Cybersicherheit – das ist der Minimalkonsens, den sich einige zuvor erhofft hatten. Mehr ist im Moment nicht drin. Aber es ist ein Anfang, um das Verhältnis der alten westlichen Supermacht und der eurasischen Regionalmacht mit großem Nukleararsenal, die sich unter Putin bislang als antiwestlicher Spielverderber Respekt zu verschaffen hofft, in ruhigere Gewässer zu bringen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+