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Autobiografie erscheint : Obama über Obama

November 2020: Barack Obama im Wahlkampf für Joe Biden in Atlanta, Georgia Bild: AFP

Der frühere amerikanische Präsident Barack Obama hat ein langes drittes Buch über sein Leben geschrieben. Darin rechnet er auch mit dem Rassismus des weißen Amerikas ab, der Donald Trump zum Erfolg verholfen habe.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          „Wir würden unseren eigenen Kindern das nie durchgehen lassen, wenn sie verloren haben, oder?“ Barack Obama ist auf Interview-Tour für sein neues Buch – und er kann eine gewisse Lust daran, seinen Nachfolger im Präsidentenamt für dessen fortgesetztes Verlierer-Theater zu tadeln, nicht ganz verbergen. Donald Trump posaunt noch immer beinahe jeden Tag auf Twitter herum, er habe die Wahl „gewonnen“. Beim Fernsehsender CBS verglich Obama ihn dafür mit seinen Töchtern, als die noch Kinder waren. Wenn sie verloren hätten und daraufhin schmollten, hätte man sie auch zurecht gewiesen, sagte er. Die größere Gefahr gehe allerdings von Republikanern aus, die Trump unterstützten und so die demokratischen Institutionen beschädigten, so der ehemalige Präsident.

          Sein Buch „A Promised Land“ erscheint an diesem Dienstag und demnächst unter dem Titel „Ein verheißenes Land“ auch auf Deutsch. Die Erinnerungen führen von Obamas Kindheit bis zu der gezielten Tötung des Terroristen Usama bin Ladin 2011 durch die amerikanische Regierung. Das Buch ist das erste von zwei Teilen, die Obamas Weg in den Senat, ins Weiße Haus und seine Jahre als Präsident nachzeichnen. Sie folgen auf zwei frühere Werke: „The Audacity of Hope“ und „Dreams from My Father“. Leserinnen und Leser brauchen einen langen Atem: Allein der erste Band von „Ein gelobtes Land“ umfasst im amerikanischen Original 768 Seiten. Es sei ihm „schmerzlich bewusst“, dass ein talentierterer Autor die Geschichte kürzer hätte fassen können, schreibt der ehemalige Präsident.

          Der 59-Jährige schildert seine Wandlung vom sorglosen Jungen zum nachdenklichen Teenager, der bei den Großeltern in Hawaii lebte und Zuflucht in Büchern suchte, von einem Gefühl des Herkommens „von überall und nirgends gleichzeitig“. Später, als Student, habe er noch andere Motive für die Lektüre gefunden, erinnert sich Obama: Herbert Marcuse und Karl Marx habe er auch gelesen, um mit einer „langbeinigen Sozialistin“ ins Gespräch zu kommen, Michel Foucault und Virginia Woolf nicht zuletzt aus Interesse an einer „Bisexuellen, die meistens Schwarz trug“. Die britische Zeitung „Guardian“ frotzelte, nun würden wohl viele Journalisten losgeschickt, um diese Frauen aufzutreiben.

          Obama und Biden mit ihren Frauen Michelle und Jill im Wahlkampf 2008
          Obama und Biden mit ihren Frauen Michelle und Jill im Wahlkampf 2008 : Bild: Reuters

          Obama berichtet über prägende Entscheidungen seiner Präsidentschaft im Detail aus seiner Sicht, wie zum Beispiel über die Bankenrettung in der Finanzkrise oder die Auseinandersetzungen um die Reform der Krankenversicherung. Durchaus Unterhaltsames offenbart er über sein ursprüngliches Verhältnis zum Immobilien-Millionär Trump. Der nämlich habe 2010 nicht nur angefragt, ob er bei der Beseitigung des Ölteppichs nach der „Deepwater Horizon“-Katastrophe helfen könne – er habe auch angeboten, dem Weißen Haus einen „schönen Ballsaal“ anzubauen. Beide Angebote wurden abgelehnt.

          In den Interviews und im Buch setzt sich Obama ausführlich mit seinem Amtsnachfolger auseinander. Die vormalige relative Zurückhaltung hat er abgelegt. Er habe nicht gedacht, dass die republikanische Partei sich der Trump-Linie so leicht anschließen werde, wie das nach dessen Wahlsieg 2016 der Fall war, sagte Obama dem Magazin „The Atlantic“. Trump geriere sich wie „Richie Rich“, der lüge und für nichts Verantwortung übernehme.

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