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Australien : Melbourne muss zurück in den Lockdown

„Ich denke, jeder von uns weiß, dass wir keine andere Wahl haben, als diese sehr, sehr schwierigen Schritte zu ergreifen“, sagte der Chef der Regionalregierung von Victoria, Daniel Andrews. Bild: AP

Erst vor wenigen Wochen wurden viele Freiheitseinschränkungen aufgehoben. Jetzt müssen die Einwohner von Australiens zweitgrößter Stadt größtenteils wieder zuhause bleiben – für sechs Wochen.

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          Vor gar nicht langer Zeit erlaubte sich Daniel Andrews, der Ministerpräsident des australischen Bundesstaats Victoria, noch schnippische Bemerkungen gegenüber Nachbarstaaten. Schließlich waren Victoria und seine Hauptstadt Melbourne bis dahin relativ gut durch die Pandemie gekommen. Doch nun steht der Ministerpräsident von der Labor Party als derjenige dar, der den Erfolg Australiens bei der Corona-Bekämpfung und die allmähliche Normalisierung der Wirtschaft und des Reiseverkehrs gefährdet: aufgrund schnell wachsender Infektionszahlen in seinem Gebiet.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Zähneknirschend musste der Chef der Regionalregierung am Dienstag verkünden, dass die Millionenmetropole Melbourne nun wieder für sechs Wochen in den Lockdown muss, während andere Gebiete in Australien weiter ihre Maßnahmen lockern. „Ich denke, jeder von uns weiß, dass wir keine andere Wahl haben, als diese sehr, sehr schwierigen Schritte zu ergreifen“, sagte Andrews. Zuvor hatten die australischen Behörden 191 Neuinfektionen bestätigt, das ist einer der höchsten Anstiege innerhalb eines Tages seit dem Beginn der Pandemie. „Wir wissen, dass wir uns an der Schwelle zu etwas sehr, sehr Schlechtem befinden, wenn wir diese Maßnahmen heute nicht ergreifen“, sagte Andrews. Es sei ein Teil des Problems, dass die Menschen so täten, als ob die Pandemie schon vorbei wäre.

          Der Anstieg wird unter anderem auf Nachlässigkeiten zurückgeführt, zu denen es womöglich aus Frust über die langwierigen Einschränkungen gekommen ist. Insbesondere sollen in einigen Quarantänehotels für Rückkehrer aus dem Ausland Dutzende Sicherheitskräfte erst sich und dann ihre Familien angesteckt haben. In den Hotels soll es zu unerlaubten Treffen, zu gemeinsamen Autofahrten und sogar zu Sex zwischen Wächtern und unter Quarantäne gestellten Reisenden gekommen sein. Die Regierung hat nun eine offizielle Untersuchung der Zustände angeordnet.

          Ein erster sechswöchiger Lockdown in Victoria hatte am 13. Mai geendet. Neben anderen Lockerungen durften die Einwohner seither wieder bis zu fünf Besucher empfangen. Die Rückkehr zur Ausgangssperre trifft viele der fünf Millionen Einwohner Melbournes deshalb besonders schwer. Nun dürfen sie bis mindestens 19. August das Haus nur zum Einkaufen von Lebensmitteln, zu Arzt- und Pflegebesuchen, zum Sport und für den Arbeitsweg verlassen. Cafés und Restaurants müssen zum Take-Away-Verkauf zurückkehren. Reisen außerhalb des Stadtgebiets sind verboten. Die meisten Schüler werden auch nicht wie geplant in der kommenden Woche in den Unterricht zurückkehren.

          Die Zentralregierung schickt Soldaten, um Straßenkontrollen am Rande der Metropole durchzuführen. Nicht jedes Fahrzeug soll überprüft werden; aber durch Überwachung der Nummernschilder soll festgestellt werden, woher die Autos kommen. Die Maßnahmen treten an diesem Mittwoch in Kraft. Schon am Wochenende wurden in zwei Vororten Melbournes neun Hochhäuser mit Sozialwohnungen durch ein hohes Polizeiaufgebot von der Außenwelt abgeschottet. In den Wohnblöcken leben mehr als 3000 Menschen. Einige beschweren sich über Zustände wie im Gefängnis und Mängel bei der Versorgung. Am Montag wurde dann die Grenze zwischen Victoria und dem Nachbarstaat New South Wales geschlossen. Australien hat bisher fast 9000 Corona-Fälle und 106 Tote registriert.

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