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Abtreibungsstreit in den USA : Katholiken haben das letzte Wort

Die Neue: Richterin Ketanji Brown Jackson, die über Glaubensdinge eingehend ausgefragt wurde Bild: AP

Evangelikale haben großen Einfluss auf die amerikanische Politik. Aber den Supreme Court dominieren Katholiken. Das ruft Kritik hervor.

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          Joe Biden ist erst der zweite katholische Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Dieser Hinweis fehlte in keinem Porträt zu seinem Amtsantritt. Dass hingegen eine Mehrheit der neun Richter am Supreme Court, dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, schon seit 2006 katholisch ist, fand zunächst kaum Beachtung – obwohl Katholiken nur etwas mehr als ein Fünftel der amerikanischen Bevölkerung ausmachen. Geändert hat sich das erst seit dem Amtsantritt Donald Trumps, der es zu seinem Ziel erklärte, die Grundsatzentscheidung Roe v. Wade von 1973 aus der Welt zu schaffen. Damals hatte der Su­preme Court Abtreibungen bis zum Zeitpunkt der Lebensfähigkeit des Kindes für legal erklärt. Trump griff damit nicht nur ein zentrales Anliegen vieler weißer evangelikaler Christen auf, sondern auch der katholischen Bischöfe des Landes. So rückte die Konfession der Obersten Richter immer mehr ins Zentrum.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Das bekam zuletzt auch Ketanji Brown Jackson zu spüren, die von Präsident Joe Biden für den Supreme Court nominiert wurde. Der republikanische Senator Lindsey Graham wollte im März während ihrer Befragung durch den Senat von Jackson wissen, als wie gläubig sie sich auf einer Skala von eins bis zehn selbst einstufen würde – eine Frage, die in Deutschland unvorstellbar wäre. Jackson, die sich zuvor auf Nachfrage als „nondenominational Protestant“, also freikirchliche Protestantin charakterisiert hatte, gab eine ausweichende Antwort. Die Katholikin Amy Coney Barrett, die 2020 von Trump nominiert wurde, war allerdings von den Demokraten einem ähnlichen religiösen Kreuzverhör ausgesetzt gewesen.

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