Schoa-Überlebende im Krieg : „Ich habe in meinem Leben so viel Schrecken erlebt, ich habe genug“

Wie viel Krieg hält ein Mensch aus? Rachel Hanan, 95, hat die Schoa überlebt, jetzt ist sie Raketenangriffen in Haifa ausgesetzt. Seit dem 7. Oktober sind die Albträume zurück. Trotzdem wirbt sie für die Liebe.
Haifa, Ende September 2024: eine Großstadt im Kriegsgebiet, bis zur libanesischen Grenze sind es 40 Kilometer. Die Hizbullah schickt Raketen, Israel fliegt Luftangriffe; seit einigen Tagen Bodenoffensive. Und noch vor dem ersten Jahrestag des 7. Oktober wird der Konflikt mit Iran eskalieren. Ein Videogespräch mit der Holocaust-Überlebenden Rachel Hanan, 95. Sie sitzt auf einem gelben Stoffsofa in ihrem Apartment hoch oben auf dem Berg Carmel, neben ihr Sohn Yaron, der übersetzt. Vom Balkon ihrer Wohnung aus sieht sie den Hafen, an dem sie im Juni 1947 ins Land kam. Für Rachel ist es ein weiterer Krieg in ihrem Leben. An ihrem 15. Geburtstag deportierten die Nazis sie nach Auschwitz. Sie überlebte die KZs von Bergen-Belsen, Duderstadt und Theresienstadt; ihre Eltern, ihre Brüder wurden ermordet. In Israel erlebte sie den Palästinakrieg (1947 bis 1949), die Suez-Krise (1956), Sechstagekrieg (1967), Jom-Kippur-Krieg (1973), die Libanon-Kriege 1982 und 2006. Jetzt der Krieg nach dem 7. Oktober. Rachel Hanan wirkt angesichts der düsteren Lage überraschend munter, immer wieder lächelt sie, sie zeigt Optimismus, nicht ihre Sorgen.
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