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Marktbericht : Draghi hilft Dax auf die Sprünge

  • Aktualisiert am

Der Dax schloss zum Wochenauftakt im Plus Bild: Reuters

Die Hoffnung auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Europa hat am deutschen Aktienmarkt die Sorgen um Japan verdrängt. Der Dax machte anfängliche Verluste wegen des Abrutschens des Landes in die Rezession wett.

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          Europas Aktienanleger haben am Montag auf eine weitere Öffnung der Geldschleusen duch die EZB gesetzt. „Das Wort ’Staatsanleihen’ ist mal wieder gefallen“, spielte ein Händler auf Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi in Brüssel an. Der Notenbankchef hatte vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments erklärt, unkonventionelle Maßnahmen könnten auch den Ankauf von Staatsanleihen umfassen. „Das war ein Weckruf für den Handel“, sagte ein Börsianer.

          Der Dax stieg bei anziehenden Umsätzen um 0,6 Prozent auf 9306,35 Punkte, der EuroStoxx50 legte 0,8 Prozent auf 3084,79 Zähler zu. Am Morgen hatte der überraschende Rutsch Japans in die Rezession die Kurse europaweit im Schnitt um ein Prozent ins Minus gedrückt. Der Nikkei-Index in Tokio war um drei Prozent eingebrochen.

          Bild: F.A.Z.

          Doch im Verlauf übernahmen diejenigen das Zepter, die auch im Falle Japans auf Stützungsmaßnahmen der Notenbanken setzten. Allerdings bremste die Sorge vor einer Verschärfung der Ukraine-Krise die Kauflaune:

          Die 20 größten Industrienationen und Schwellenländer seien einer Lösung der Ukraine-Krise keinen Schritt näher gekommen, sagte ein Händler. Im Gegenteil: Die am Wochenende deutlich gewordenen starren Fronten zwischen dem Westen und Russland dürften so manchen Börsianer nachdenklich stimmen, fasste LBBW-Analyst Wolfgang Albrecht zusammen. Vor diesem Hintergrund legten Dollar und Euro zum Rubel jeweils bis zu 0,8 Prozent zu.

          An der Wall Street blieben die Anleger vorsichtiger. „Die Fed hat ja schon mit der Drosselung der Geldflut begonnen, das ist eine ganz andere Ausgangslage“, kommentierte ein Händler in Frankfurt. So kam der Rekordlauf von Dow-Jones - und S&P500 etwas ins Stottern: Zum Handelsschluss in Europa notierten beide Indizes leicht im Minus, der Nasdaq-Composite lag sogar 0,6 Prozent niedriger. Im Fokus standen in New York einige Fusionspläne großer Konzerne in der Ölindustrie und der Pharmabranche.

          Aus Furcht vor einer weiteren Abschwächung der Nachfrage ging auch der Ölpreis tiefer in die Knie. Die richtungweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um bis zu 1,9 Prozent auf 77,94 Dollar je Barrel (159 Liter).

          Größter Dax-Gewinner waren mit einem Plus 3,2 Prozent auf 76,67 Euro die Aktien von Merck. Der Pharmakonzern hat mit dem amerikanischen Arzneimittelriesen Pfizer eine milliardenschwere Allianz in der Krebsmedizin eingefädelt.

          Pfizer sei ein zahlungskräftiger Partner, schrieben Analysten. Den amerikanischen Aktionären gefiel das Projekt weniger - die Aktien von Pfizer verloren bis zum Handelsschluss in Europa 1,2 Prozent. Schlusslicht im Dax waren Continental mit einem Abschlag von 0,7 Prozent. Die Analysten von HSBC hatten die Titel auf „neutral“ von „overweight“ heruntergestuft.

          Im M-Dax stiegen Salzgitter um fast drei Prozent und damit an die Spitze des Nebenwerte-Index. Die Analysten von Exane BNP Paribas hatten die Aktien auf „neutral“ von „underperform“ hochgestuft. Viele Anleger setzten derweil auf Technologiewerte: Der Tec-Dax schloss 1,3 Prozent höher.

          Im EuroStoxx50 hielten Nokia nach einer Herunterstufung durch Natixis mit einem Minus von 1,1 Prozent die rote Laterne. Im Sinkflug waren auch Airbus, die sowohl in Frankfurt als auch in Paris gelistet sind. Die Aktien verloren rund Prozent, nachdem JP Morgan das Kursziel gesenkt hatte. Die in der Vorwoche arg gebeutelten Aktien der italienischen Großbank Unicredit machten Boden gut und stiegen um 3,2 Prozent.

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