Spanien nach der Wahl : Die Barrikaden stehen nicht mehr

Spanien muss das Paktieren lernen oder sich auf Neuwahlen vorbereiten. Unterdessen fordern Mario Vargas Llosa und andere das Unerhörte: eine große Koalition der demokratischen Parteien.
Wo sind denn die Intellektuellen geblieben?, hätte man sich vor den spanischen Parlamentswahlen am 20. Dezember fragen können. Die strengen Blöcke, die bis zum vergangenen Jahr die Debatte beherrschten, hatten sich angesichts der neuen spanischen Unübersichtlichkeit aufgelöst wie Würfelzucker im Kaffee. Weil zwei Neuparteien, Podemos und Ciudadanos, den seit 35 Jahren installierten Konservativen und Sozialisten den Platz streitig machten, wussten wenige Tage vor der Wahl vierzig Prozent der Menschen noch nicht, wie sie sich entscheiden sollten. Den Künstlern im Land schien es ähnlich zu gehen. Als dann alles vorbei war und die Neuen zusammen 35 Prozent der Stimmen erobert hatten, so dass sämtliche denkbaren Koalitionen auf den ersten Blick schwierig bis unmöglich erschienen, twitterte die Autorin Rosa Montero symptomatisch, sie freue sich über den Zugewinn der Tierschützer. Und wer die Kolumnen von Javier Marías in „El País“ verfolgt hatte, wusste ohnehin, dass in den Augen dieses Schriftstellers keine einzige politische Partei wählbar war.





