Kollision in Spanien :
„Die Leute wurden aus dem Zug geschleudert“

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AFP

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Mindestens 64 Tote: Nach der Kollision von zwei Zügen auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke südlich von Madrid berichten Augenzeugen von „absolutem Chaos“. Offenbar führte menschliches Versagen zu dem Unfall.

Nach dem Zugunglück in Spanien ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. Nach Angaben des Regionalpräsidenten von Kastilien-La Mancha, Emiliano García Page, kamen mindestens 64 Menschen ums Leben. Es werden noch mehr Tote befürchtet. Laut den Rettungskräften gibt es 50 Schwer- und 30 Leichtverletzte.

Damit stand am Mittwochnachmittag fest, dass sich eine Prognose bewahrheitet hat: „Es könnte schlimmer werden als in Adamuz“, hatte es am Vormittag aus Regierungsquellen geheißen. Bei Adamuz in Andalusien waren bei einem verheerenden Zugunglück auf der gleichen Strecke im Januar 46 Menschen ums Leben gekommen. Danach mehrten sich die Hinweise auf den maroden Zustand des überlasteten Hochgeschwindigkeitsnetzes, das bis dahin als eines der besten auf der Welt gegolten hatte.

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„Es ist mit einer großen Tragödie zu rechnen“

Der jüngste Unfall wurde nach ersten Erkenntnissen durch menschliches Versagen in der Leitstelle am Madrider Bahnhof Atocha verursacht, wie am Vormittag auch die spanische Regierung mitteilte. Gegen 8.30 Uhr war offenbar das automatische Zugsteuerungssystem ausgefallen. Mehrere Züge wurden angeblich gestoppt, während der AVE aus Madrid angewiesen wurde, weiterzufahren. Der Unfall ereignete sich am Mittwochmorgen gegen neun Uhr, etwa 120 Kilometer südlich von Madrid.

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Nach Behördenangaben befanden sich im Iryo-Zug 146 Fahrgäste und ein Kleinkind, im AVE reisten 397 Passagiere. Zu den Vermissten zählt die frühere konservative Arbeitsministerin Fátima Báñez, die nach Angaben ihrer Partei in einem der Züge fuhr. Laut der staatlichen Eisenbahngesellschaft Renfe war der AVE 2080 kurz vor dem Bahnhof von Urda in der Provinz Toledo mit dem offenbar stehenden Iryo 6076 zusammengeprallt, wodurch zwei Waggons des Iryo-Zuges entgleisten.

Laut der Gesundheitsministerin Mónica García gibt es viele Schwerverletzte mit Schädel-Hirn-Traumata und Rückenmarksverletzungen. Sämtliche Rettungskräfte in der Region und die Notfalleinheit der Armee (UME) wurden aktiviert. Die umliegenden Krankenhäuser in Madrid und Kastilien-La Mancha bereiteten Hunderte Intensivbetten und Operationssäle vor. Es wurde zu Blutspenden aufgerufen. Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen eingestellt, wie der spanische Bahnnetzbetreiber Adif mitteilte.

Der Schock sitzt tief: Einsatzkräfte und Passanten am Mittwoch in der Nähe des Unfallorts
Der Schock sitzt tief: Einsatzkräfte und Passanten am Mittwoch in der Nähe des UnfallortsEPA

„Es ist furchtbar, unbeschreiblich“, sagte einer der Fahrgäste dem Fernsehsender TVE, nachdem er den Zug verlassen hatte. Eine TVE-Reporterin sprach von „absolutem Chaos“ am Unfallort. Passagiere stiegen aus den Zügen, andere suchten nach Angehörigen. Augenzeugen sprachen von einer „dantesken Situation“. „Die Leute wurden aus dem Zug geschleudert. Wir dachten, wir wären entgleist“, berichtete ein Journalist der Zeitung „El País“, der im AVE fuhr.

„Ich bin zutiefst betroffen“, schrieb Ministerpräsident Pedro Sánchez in einer ersten Reaktion. Er wird zusammen mit dem Verkehrsminister Óscar Puente heute am Unglücksort erwartet. Die Regierung sagte am Mittwoch alle Termine ab, alle Parteien unterbrachen den Vorwahlkampf. Auch das Königspaar äußerte sich „erschüttert und besorgt“.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf der Plattform X, die Nachricht mache ihn „tief betroffen“. „Wir trauern mit unseren spanischen Freunden und allen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Den Verletzten wünsche ich, dass sie rasch wieder gesund werden.“ Die französische und die italienische Regierung übermittelten ebenfalls ihre Bestürzung.

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