FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Politische Rhetorik :
Die Gnade der späten Geburt

Gastbeitrag
Von
Peter-André Alt
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Er rede, so sagte Bundeskanzler Helmut Kohl, in Israel „als einer, der in der Nazizeit nicht in Schuld geraten konnte, weil er die Gnade der späten Geburt“ gehabt habe: Kohl und Ehefrau Hannelore in der Knesset am 25. Januar 1984
Er rede, so sagte Bundeskanzler Helmut Kohl, in Israel „als einer, der in der Nazizeit nicht in Schuld geraten konnte, weil er die Gnade der späten Geburt“ gehabt habe: Kohl und Ehefrau Hannelore in der Knesset am 25. Januar 1984Ullstein

Empörend, verletzend, „würdelos“: Als Helmut Kohl im Januar 1984 bei einem Israel-Besuch von der „Gnade der späten Geburt“ sprach, stieß die Formulierung auf Ablehnung. Dabei war sie damals schon fast 20 Jahre alt. Eine Spurensuche.

Ende Januar 1984 reiste Bundeskanzler Helmut Kohl nach Israel. Der zweite Besuch eines deutschen Regierungschefs in Tel Aviv – nach Willy Brandts Visite im Juni 1973 – stand unter schwierigen Vorzeichen. Die Bundesrepublik hatte Saudi-Arabien Waffenlieferungen zugesagt, was Israel angesichts der permanenten Spannungslage in der Region als unfreundlichen Akt empfand. Bereits am 24. Januar, dem Tag seiner Ankunft, besuchte Kohl die Gedenkstätte Yad Vashem. Am 25. Januar stand nach einem Treffen mit dem Ministerpräsidenten Jitzhak Schamir eine Visite in der Knesset an.

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