F.A.Z.-Sprinter : Die Macht der Gefühle

In Iran wird Soleimanis Leichnam bestattet, im Westdeutschen Rundfunk wird Tom Buhrow gerügt und in Las Vegas spricht Ivanka Trump über Technik. Wo es sonst noch spannend wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.
Seit jeher spielt die Trauer nach dem Tod eines Anführers für die Schiiten eine besondere Rolle. Jedes Jahr gedenken sie des Märtyrers Husseins, der einst von feindlichen Sunniten umgebracht worden war. Zur Trauer gehören dabei Zorn und der Wunsch nach Rache und Vergeltung. In einer aufgewühlten Staatenwelt und in einer Zeit, in der Gefühls- und Identitätspolitik weltweit Konjunktur haben, verwundert es daher kaum, dass der schiitische Staat Iran nach der Tötung von Qassem Soleimani durch die Amerikaner nicht schnell zur Tagespolitik übergeht. Der Leichnam des Generals wurde in seinen Heimatort Kerman überstellt und soll am Dienstag bestattet werden. Die dreitägige Staatstrauer ist dann zwar beendet, die vierzig islamischen Trauertage allerdings nicht. Deren Ablauf könnte der symbolische Stichtag für die „massive Vergeltung“ sein, die Irans geistliches Oberhaupt Chamenei angedroht hat, schreibt mein Kollege Rainer Hermann. Bis dahin bliebe wenigstens noch ein wenig Zeit, um der bedrohlichen Zuspitzung des Konflikts etwas entgegenzusetzen.





