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Umbau der Krankenversicherung : Bürgerversicherung kostet 100.000 Arbeitsplätze

Ärzte und Zahnärzte, die nur Privatpatienten behandeln, müssten sich eine neue Geschäftsgrundlage suchen Bild: dapd

Das von SPD, Grünen und Linken verfolgte Konzept einer gesetzlichen Bürgerversicherung würde laut einer Untersuchung innerhalb eines Jahres 100.000 Arbeitsplätze vernichten. Nordrhein-Westfalen träfe die Umstellung am stärksten.

          Die von SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geplante Überführung der Privaten Krankenversicherung (PKV) in eine gesetzliche Bürger-Krankenversicherung würde 100.000 Arbeitsplätze in der privaten Versicherungsbranche vernichten, davon die Hälfte binnen eines Jahres. Zu dem Schluss kommt eine im Auftrag der Gewerkschaft Verdi und der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung angefertigte Untersuchung. Allein der sofortige Stopp des PKV-Neugeschäftes „würde innerhalb eines Jahres zum sofortigen Verlust von 25.000 Arbeitsplätzen führen“, heißt es. Außerdem würden „einige Zehntausend selbständige Versicherungsvermittler ihre Erwerbsmöglichkeit verlieren“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die 80 Seiten umfassende Ausarbeitung „Auswirkungen der Bürgerversicherung auf die Beschäftigung in GKV (Gesetzlicher Krankenversicherung) und PKV“ wurde Anfang Januar abgeschlossen, aber nicht veröffentlicht. Ein Verdi-Sprecher sagte, die Zahlen seien nicht nachvollziehbar. Deshalb sei der erste Entwurf nicht abgenommen, sondern zur Überarbeitung zurückgegeben worden. Die Endfassung liegt nun vor. Ihre Kernaussagen dürften gleichwohl unverändert sein.

          Die Privatversicherung würde zum „Auslaufmodell“

          Der Autor der Studie, der SPD-nahe Gesundheitsfachmann Robert Paquet, stellt fest, mit Einführung der Bürgerversicherung würde die Privatversicherung zum „Auslaufmodell“. Insofern seien auch die übrigen 35.000 an der PKV-Vollversicherung hängenden Arbeitsplätze in den Versicherungsunternehmen gefährdet. „Insgesamt sind durch die Bürgerversicherung die Arbeitsplätze von rund 60.000 Arbeitnehmern in Frage gestellt.“ Zudem würden Verdienstmöglichkeiten für Zehntausende - Schätzungen reichen bis zu 50.000 - Versicherungsvermittler massiv eingeschränkt oder vernichtet.

          Dass private Anbieter mit einer Bürgerversicherung am Markt blieben, hält Paquet für illusorisch. Nordrhein-Westfalen träfe der Aderlass am stärksten. Auch 11.000 Beschäftigte für die Abwicklung der staatlichen Beihilfe der privatversicherten Beamten würden überflüssig. Folgen hätte der Wechsel für 2.400 Ärzte und Hunderte Zahnärzte, die nur Privatpatienten behandeln sowie die Mitarbeiter der 15 Verrechnungsstellen, die die Abrechnung der Kassenärzte mit Privatpatienten abwickeln.

          Das von SPD, Grünen und Linken verfolgte Konzept sieht vor, dass alle Bürger Pflichtmitglieder in der Krankenversicherung sind, die einheitliche Leitungen anbietet. Im Gegenzug müssen alle Beiträge nach der Höhe ihres Einkommens zahlen. Die PKV würde vor allem Zusatzversicherungen anbieten, die heute ein Fünftel zum Geschäft beitragen. Bürgerversicherungszenarien sehen eine Wechselmöglichkeit der Bestandskunden in die gesetzliche Versicherung vor. Würden die Versicherten davon Gebrauch machen, wäre dies das schnelle Aus für die heutige PKV.

          Deshalb warnen Betriebsräte von Versicherungsunternehmen seit Monaten vor den auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) verfolgten Plänen zum Umbau der Krankenversicherung. Allerdings verlangt der DGB in seinem Konzept eine „Beschäftigungsgarantie für die hiervon betroffenen Beschäftigten in einem integrierten Krankenversicherungssystem“.

          Angestellte der Versicherungen und Maklerbüros hätten dennoch kaum Aussichten, eine ähnliche Beschäftigung in der eher schlechter zahlenden GKV zu finden. „Ersatz-Arbeitsplätze in der gesetzlichen Krankenversicherung sind nicht zu erwarten, weil die Krankenkassen einen allmählichen Zuwachs ohne zusätzliches Personal verkraften würden“, schreibt Gutachter Paquet.

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