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Ägypten Warten auf die Revolutionsdividende

Fabriken schließen, die Währung stürzt ab, die Touristen bleiben aus: Zwei Jahre nach dem Aufstand lässt der Wandel in Ägypten auf sich warten. Die Wirtschaft liegt danieder - immer mehr Ägypter wollen das Land verlassen.

© AFP Vergrößern Viele Liegen bleiben leer: Urlaubsplanende lassen sich von den Krawallen im Land abschrecken

Hamza al Mahrus hat noch einen einzigen Wunsch. „Früher habe ich nur für meine Kinder gebetet“, sagt der 42 Jahre alte Ägypter. „Inzwischen bitte ich meinen Gott, meine Familie und mich aus diesem Land wegzubringen.“ Ende des vergangenen Jahres kündigte ihm die ausländische Firma, für die der Vater von drei Kindern mehrere Jahre gearbeitet hatte. Er hofft, in den kommenden Monaten in Kuweit einen Arbeitsplatz zu finden.

Markus  Bickel Folgen:    

Vor zwei Jahren standen viele Ägypter am 25. Januar gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak auf. Zwei Wochen später trat der Machthaber ab. Doch zwei Jahre nach dem Sturz Mubaraks haben Chaos und Unsicherheit die Wirtschaft des nordafrikanischen Landes in den Keller fahren lassen. Das hält Hamza al Mahrus einfach nicht mehr aus. Unzuverlässigkeit und überbordende Bürokratie tun ein Übriges, ihm sein Leben in Ägypten zu vergällen. Für seine Kinder wünscht er sich eine bessere Zukunft.

Der Familienvater Mahrus steht mit seiner Haltung nicht allein. Immer mehr Ägypter in ihren besten Jahren wollen ihr Land verlassen. „Wenn sich 2013 nichts ändert, wird sich gar nichts mehr ändern“, sagt er. Der Ägypter nutzt die Zeit der Arbeitslosigkeit, um die notwendigen Papiere für eine mögliche Ausreise zusammenzubekommen. Ein nervenaufreibendes Unterfangen: Viele Behörden haben nur vormittags geöffnet - und ohne Schmiergeld läuft vielerorts gar nichts.

Infografik / BIP / Menschliche Entwicklung 2011

Gerade für ausländische Investoren, die Ägyptens am Boden liegende Wirtschaft so dringend brauchte, bedeutet das eine Hürde mehr, ihr Geld in neue Projekte zu stecken. „Viele Firmen wollen in Ägypten investieren, dafür müssen wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen“, sagte Ägyptens Präsident Muhammad Mursi Mitte Januar dieser Zeitung (F.A.Z. vom 19. Januar). Diesen Mittwoch wird er in Berlin für Investitionen aus Deutschland werben, wenn er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht und nachmittags vor der deutsch-ägyptischen Wirtschaftskommission spricht.

Viele sehen Mursi bereits gescheitert

Doch dass der in der Muslimbruderschaft groß gewordene Staatschef ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt noch immer in Ankündigungen verharrt, können viele Ägypter nicht mehr verstehen. Die Regierungsumbildung des Islamisten Anfang des Jahres sehen sie als Eingeständnis des Scheiterns - nicht als Möglichkeit, das Ruder noch mal herumzuwerfen.

Mursi hatte nach seinem Sieg bei der ersten freien Präsidentenwahl im Juni vergangenen Jahres ein ambitioniertes Hunderttageprogramm angekündigt. Doch von seinen Versprechungen ist keine erfüllt: Der Müll stapelt sich weiter an den Straßenrändern, das Verkehrschaos nimmt nicht ab. Bei einem Zugunglück starben Mitte Januar 19 Soldaten, in der Mittelmeermetropole Alexandria kamen ebenso viele Menschen um, als ein Wohnhaus in sich zusammenstürzte.

Infografik / Zahlen: Ägypten, Tunesien

Als „gravierend“ bezeichnet auch der Präsident der Vereinigung Ägyptischer Geschäftsleute, Hussein Sabbour, die wirtschaftliche Lage: „Seit zwei Jahren hat sich die Situation täglich verschlechtert.“ Der Aufstand für Freiheit und Würde, der im Januar 2011 auf Kairos Tahrir-Platz begann, ist lange her - und für viele zum Symbol beginnenden Niedergangs geworden. Die erhoffte Revolutionsdividende sprang dabei nicht heraus, im Gegenteil: 2.000 Fabriken sollen seit dem Sturz von Mursis Vorgänger Husni Mubarak geschlossen worden sein, die Arbeitslosigkeit steigt.

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