Der Facebook-Gründer und Haupteigentümer Mark Zuckerberg wollte aus dem Börsengang das Maximum herausholen, so sehen das nun viele. Und es lässt sich nicht leugnen, dass der drittgrößte Börsengang in der amerikanischen Geschichte für ihn ein lohnendes Geschäft war. Aktien im Wert von rund 1,1 Milliarden Dollar schlug Zuckerberg beim Debüt seines Unternehmens am Kapitalmarkt vor gut einer Woche los.
Der Aktienkurs seiner Firma aber befindet sich seitdem im freien Fall: Freitagabend notierte das Facebook-Papier bei weniger als 32 Dollar - binnen einer Woche ein Einbruch von mehr als 15 Prozent. Ein blamables Ergebnis. War das Zuckerbergs Schuld? Hätten er und andere Alteigentümer sich besser mit geringeren Erlösen zufriedengegeben?
Mehr Bescheidenheit jedenfalls wäre gut gewesen. Denn ein Gefühl mögen neue Aktionäre gar nicht: dass ein Unternehmen versucht, sie über den Tisch zu ziehen. Darum vermeiden es Börsendebütanten üblicherweise, den Ausgabepreis für neue Aktien so hoch wie möglich anzusetzen. „Underpricing“ nennen Fachleute das Phänomen, das sich bei den meisten amerikanischen Börsengängen beobachten lässt. Danach legt am ersten Handelstag der Kurs einer Aktie klar zu, was bedeutet: Ein höherer Ausgabepreis wäre möglich gewesen. Die Unternehmen jedoch verzichten darauf bewusst. Zwar fließt dann weniger Geld in die Kasse, aber gleichzeitig stellen sie mit dem Kursplus ihre neuen Aktionäre zufrieden - und auf die sind sie bei zukünftigen Kapitalerhöhungen angewiesen.
Facebook hat sich darum nicht geschert. Kurz vor dem Börsengang ließ Zuckerberg die Preisspanne für Facebook-Aktien erhöhen und beschloss, mehr Papiere auszugeben als ursprünglich geplant. Der Facebook-Chef war sich wohl absolut sicher, dass die Anleger der Aktie trotzdem nicht widerstehen könnten.
Von dem höheren Ausgabepreis hätten die Emissionsbanken Zuckerberg eigentlich abraten müssen. Vor allem auf den sogenannten Konsortialführer kommt es dabei an. Beim Facebook-Börsengang war dies die amerikanische Großbank Morgan Stanley. Deren Experten legten gemeinsam mit Facebook den Ausgabepreis für die Aktie fest. Eine Beratung, bei der sich die Bank wohl in der Tat vollkommen verkalkuliert hat. Denn schon am zweiten Handelstag fiel die Facebook-Aktie unter den Emissionskurs, die Nachfrage der Investoren war also weit schwächer als angenommen. Zwar heißt es jetzt häufig: Der hohe Preis sei keine Fehleinschätzung der Nachfrage gewesen, sondern Absicht. Schließlich können die Banken umso höhere Gebühren einstreichen, je höher der Börsenerlös eines Debütanten ausfällt. In Marketingpapieren brüsten sich die Institute zudem gerne damit, wie viele Milliarden sie für Börsenneulinge eingesammelt haben.
Alles richtig. Aber noch viel wichtiger ist den Banken etwas anderes - ihre Reputation. Denn vor allem die garantiert, dass sie weiterhin Aufträge für Börsengänge erhalten. Nur ein reibungsloser Ablauf aktueller Deals sichert also zukünftiges Geschäft. Das weltweit beobachtete Facebook-Debüt wegen lukrativer Gebührensätze vor die Wand zu fahren dürfte darum kaum die Absicht von Morgan Stanley gewesen sein.
Sicher, der Hype war enorm: Wochenlang bestimmten die Neuigkeiten um Facebook die Börsenberichte in aller Welt, Kleinanleger und Großinvestoren waren angespitzt. Trotz vieler kritischer Stimmen im Vorfeld war darum das Orderbuch, über das Profi-Investoren ihre Aktienwünsche vorab anmelden, gut gefüllt. Für Warnsignale wie Facebooks fehlende Umsätze bei Handy-Werbung interessierten sich nur wenige.
Aber die Schuld für den Börsenkater bei den Investoren zu suchen, geht dennoch zu weit: Sie mögen den Hype um das Netzwerk zwar verstärkt und manche Schwächen übersehen haben. Letztlich ist das aber ein normaler Teil des Spiels. Denn vor jedem Börsengang herrscht immer auch das, was die Wissenschaftler Informationsasymmetrie nennen. Vereinfacht gesagt: Die neuen Aktionäre können nie genau wissen, worauf sie sich einlassen.
Schließlich ist langfristiger Börsenerfolg nicht planbar - das gilt besonders für junge Internetfirmen wie Facebook. Und auch die im Börsenprospekt vorgelegten Finanzkennzahlen sind immer noch dürftig im Vergleich zu Unternehmen, die schon lange an der Börse sind. Dieses hohe Maß an Unsicherheit erklärt, warum die Stimmung mal überschießen und dann auch wieder stark zurückgehen kann. Genau das erlebt Facebook gerade.
Es ist das alte Lied. Wenn es an der Börse abwärtsgeht, wird gerne auf die Spekulanten geschimpft. Tatsächlich haben in den ersten Tagen viele Hedgefonds auf einen fallenden Kurs der Facebook-Aktie gewettet. Am zweiten Handelstag beispielsweise machte das Volumen dieser sogenannten Leerverkäufe hohe 16 Prozent des Börsenumsatzes der Facebook-Aktie aus.
Dazu leihen sich die Hedgefonds gegen eine Gebühr Aktien und verkaufen diese in der Hoffnung auf einen fallenden Kurs. Kommt es tatsächlich dazu, können sie die Aktien dann zu einem günstigeren Preis zurückkaufen. Die Differenz verbuchen die Hedgefonds als Gewinn, dann geben sie die Aktien an den Verleiher zurück. Pikanterweise haben bei Facebook auch am Börsengang beteiligte Banken wie Goldman Sachs Facebook-Aktien verliehen. Hat die hohe Zahl der Leerverkäufe nun die Abwärtsbewegung des Facebook-Kurses verstärkt? Natürlich. Ist das verwerflich? Nein. Denn Leerverkäufer tragen wesentlich dazu, das Verhältnis zwischen Optimisten und Skeptikern an der Börse ins Gleichgewicht zu bringen - und damit einen korrekten Preis für eine Aktie zu finden.
Es war ein Achtungserfolg für Nasdaq-Chef Bob Greifeld. Statt an der traditionsreichen New Yorker Börse Nyse hatten sich die Facebook-Verantwortlichen für die Technologiebörse Nasdaq als Börsenplatz entschieden. Aber diesen so hart erkämpften Sieg machten ganze 30 Minuten am Tag des Börsengangs zunichte - solange dauerte es nach Handelsstart nämlich, bis die Börse erstmals einen Kurs für die Facebook-Aktie stellen konnte. Zahlreiche Anleger wussten nicht, ob die Börse ihre Orders ausgeführt hatte oder nicht.
Da gibt es nichts schönzureden: Das war ein Debakel. Kein Wunder, dass sich die Nasdaq nun Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe gegenübersieht. Der Börse ist darum ein nicht geringer Teil des Facebook-Fiaskos anzulasten.
Hinweise gab es genug
Harald Sulzmann (hsulzmann)
- 28.05.2012, 20:41 Uhr
Tja ..
Selaya Jenkins (FTLK)
- 28.05.2012, 14:46 Uhr
Ganz klar abgezockt!
Marc Kaulisch (kaum)
- 28.05.2012, 11:16 Uhr
Eine Variante übersehen
Lars Köhler (LK670)
- 28.05.2012, 10:46 Uhr
Nun ja, die Informationsasymmetrie ...
Günter Schönbauer (Teutobrecht)
- 28.05.2012, 05:46 Uhr