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3:2 gegen Australien : Deutscher Auftaktsieg mit Schönheitsfehlern

Krönt seine gute Leistung: Leon Goretzka bejubelt sein Tor zum 3:1. Bild: dpa

Das deutsche Team tritt beim 3:2-Erfolg gegen Australien zum Auftakt des Confed Cups lange recht souverän auf, aber zwei Patzer von Torwart Leno machen das Spiel spannender als nötig.

          Ein Blick durchs Olympiastadion sagte mehr tausend russische Worte und Versprechungen in all den Jahren zuvor. Nachdem in St. Petersburg am Freitag schon das Auftaktspiel des Gastgebers des Confed Cup sowie der kommenden WM nicht ausverkauft gewesen war, erlebten drei Tage später der Weltmeister und Fifa-Präsident Gianni Infantino, wie der Fußball und das Vorbereitungsturnier in Sotschi ankommen: so gut wie gar nicht. Die für knapp 50.000 Zuschauer angelegte Arena war nur etwas mehr als zur Hälfte gefüllt. Ein für den beliebtesten Sport der Welt und die auf Prestige versessenen Gastgeber und Ausrichter ein ziemlich ernüchternder Rahmen.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Aber daraus machte sich die deutsche Mannschaft zumindest rein sportlich nicht viel bei ihrem Auftakt gegen Australien. Schon nach fünf Minuten hatten sie mit dem Führungstreffer von Lars Stindl die Richtung vorgegeben – und siegte nach einem lange guten, aber in der zweiten Halbzeit unkontrollierten Auftritt dennoch verdient mit 3:2.

          Das deutsche Perspektivteam spielte zwar nicht wie ein Weltmeister, trat aber eine knappe Stunde überzeugend, frisch und engagiert auf. Das größte Manko war, bei einigen zu erwartenden Missverständnissen einer neuformierten Mannschaft, nur die mangelnde Chancenverwertung. Aus ihren zahlreichen Gelegenheiten hätte das Team von Bundestrainer Joachim Löw schon früh deutlich mehr machen können als nur die beiden weiteren Treffer durch den überzeugenden Kapitän Julian Draxler (44. Minute, Foulelfmeter) und Leon Goretzka (48.). Den zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Rogic (41.) erzielt – und Juric gelang kurz nach der scheinbar beruhigenden deutschen 3:1-Führung der zweite australische Treffer (56.).

          Bei beiden Toren sah Bernd Leno ungewöhnlich schlecht aus – und das war die größte, aber ganz individuelle deutsche Schwäche an diesem Abend. Die beiden Fehler machten den Leverkusener Torhüter damit zum einzigen deutschen Verlierer. Nach dem Schlusspfiff riss Löw, erleichtert über den Sieg seines jungen Teams vor den Duellen gegen Chile und Kamerun, die Arme nach oben.

          Fünf Tore in Sotschi: Stindl erzielte das erste nach fünf Minuten. Bilderstrecke
          Fünf Tore in Sotschi: Stindl erzielte das erste nach fünf Minuten. :

          In der ersten Halbzeit hinterließ vor allem Julian Brandt auf der starken rechten deutschen Seite Eindruck, auch Goretzka hatte im Mittelfeld seine Szenen, nicht nur, als er kurz vor der Pause im Strafraum durch ein Foul gestoppt wurde, das zum Elfmeter führte. Die Dreierkette mit Kimmich, Mustafi und Rüdiger geriet gegen den spielerisch limitierten Asienmeister nur selten in Bedrängnis, dazu zeigte sich das Team taktisch und in seinem Positionsspiel variabel. Schon der erste schneller Angriff, der bei Leno seinen Ausgangspunkt genommen hatte und dann auf der rechten Seite bei Brandt landete, der Stindl mit einem klugen Rückpass von der Grundlinie perfekt bediente, hatte die Führung gebracht. Der Mönchengladbacher erzielte sträflich freistehend in seinem dritten Länderspiel sein erstes Tor.

          Auch wenn die Partie stimmungsmäßig mitunter einem Geisterspiel glich – selbst auf dem Oberrang waren mitunter die Rufe der Spieler zu hören – , gab es immer wieder gelungene deutsche Kombinationen zu sehen. Aber Sandro Wagner scheiterte zweimal aussichtsreich, und einmal parierte Torhüter Ryan einen Schuss Brandts erstklassig. Die Deutschen schienen eigentlich nie in Gefahr zu geraten, doch nach einem Abstimmungsfehler bei einem australischen Freistoß konnten sie von Glück sprechen, dass Sainsbury seinen Kopfball vollkommen freistehend neben das Tor setzte (37.). Nur wenige Minuten später unterlief dem ansonsten überzeugenden Kapitän Julian Draxler ein Fehlpass im Mittelfeld, den Australien zum schnellen Gegenzug nutzte. Rogic schoss dabei erst Mustafi an, wobei der Ball ansonsten weit am Tor vorbei geflogen, aber im zweiten Versuch traf der Australier, weil Leno den Ball unter seinen Körper durchrutschten ließ (41.).

          Der überraschende Ausgleich nach einem überlegen geführten Spiel stachelte das junge Team an. Nur zwei Minuten nach dem Rückschlag leitete Stindl den nächsten gefährlichen Angriff ein, der zum Elfmeter nach einem Foul von Luongo an Goretzka führte. Draxler, der den Ausgleich durch seinen Fehlpass eingeleitete hatte, traf sicher zur verdienten 2:1-Führung.

          Nach der Pause machte es das junge Team, was die Chancenverwertung anging, sofort besser. Nach Zuspiel von Kimmich, wieder über die rechte Seite, kam Goretzka (48.) zu seinem ersten Länderspieltor. Aber der zweite große Fehler von Leno, der einen von Juric abgefälschten Ball nicht festhalten konnte, machte das Spiel wieder spannender und offener, als es der Spielverlauf sonst hergegeben hätte. Dieser Rückschlag war dann zu viel für die jungen Deutschen. Die Überlegenheit schwand zusehends aus ihrem Spiel, und außer einem Pfostenschuss des eingewechselten Timo Werner in der 75. Minute brachte der Weltmeister-Ersatz offensiv nicht mehr viel zustande.

          Die Fehler häuften sich, und der australische Druck stieg. Da fehlte dem Team dann doch Ruhe und Routine. Aber immerhin konnte Torhüter Leno dann noch zweimal erfolgreich eingreifen, um den von ihm gefährdeten Sieg vor den schwierigeren Duellen am gegen Chile und Kamerun nicht aus den Händen gleiten zu lassen.

          Quelle: FAZ.NET

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