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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Pferdefleisch Kein Schwein

Ganz Deutschland schüttelt sich: Wir haben das Unfassbare getan. Wir haben Pferd gegessen. Und niemand hat es gemerkt.

Das kann man auch einen „deep impact“ nennen: Der Asteroid 2012 DA14 scheint die Erde zwar zu verschonen, doch eine größere, aus den unendlichen Weiten der EU stammende Katastrophe ist schon bis in den Verdauungstrakt der Deutschen vorgedrungen, wie so oft klammheimlich über die Kühltheke: Pferdefleisch in unserem Essen, in unseren Körpern! Eine ganze Nation schüttelt sich, als hätte man ihr Altöl ins Müsli getan. Dabei ist noch gar nicht von Dioxin, Frostschutzmittel, Antibiotika oder Wachstumshormonen die Rede - was noch eintreten kann und wird, wenn dieser Skandal den für Skandale geltenden Regeln folgt. Bisher ekelt sich die Republik nur über die Vorstellung, unwissentlich das Unfassbare getan, nämlich unschuldige Pferde aus Rumänien verspeist zu haben, die nach Jahren harter Arbeit einen beschaulichen Lebensabend auf einem Ponyhof in den Karpaten verdient gehabt hätten.

Pferde isst man nicht

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Denn Pferde isst man nicht, jedenfalls nicht mehr im zivilisierten Deutschland, da sind sich sogar Veganerinnen und Schweinshaxnliebhaber einig. Das Pferd hat im Zuge des deutschen Wirtschaftswunders den Aufstieg vom Nutztier zum Familienmitglied geschafft. Sein sozialer Status ist sogar noch höher als der von Hund und Katze. Wenigstens hierzulande käme aber niemand auf die Idee, Lasagne mit Labrador zu essen, ganz im Gegenteil: Der deutsche Tierliebhaber kauft heutzutage seinem Labrador Lasagne, und zwar speziell für ihn gemachte. Die Feinkostabteilungen mancher Tiersupermärkte können durchaus mit den Analogfleischangeboten für Menschen mithalten. Pferd hatten sie sogar früher im Angebot.

Dem Rind, obschon vom Schöpfer ebenfalls mit großen runden Augen beschenkt, war die Märchenkarriere, die das edle Ross machte, nicht vergönnt, vom Schwein mit seinen kleinen Äuglein ganz zu schweigen. Dessen Leichenteile (so sagt man unter Vegetariern) vertilgt der Deutsche völlig skrupellos. Weil er aber der tiefgekühlten Fleischeslust nur frönen will, wenn sie ihn nicht viel kostet, fand jetzt auch das Pferd zurück in seine Nahrungskette. Rumänisches Pferdefleisch ist billiger als deutsches, britisches oder französisches Rindfleisch, und dann regelt der Markt den Rest, das kleine Marktversagen namens Etikettenschwindel eingeschlossen. Der eigentliche Skandal aber wird natürlich wieder vertuscht, wir wollen ja keine Unmenschen sein: Kein Schwein hat gemerkt, dass es Pferd aß.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 14.02.2013, 16:53 Uhr

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Von Berthold Kohler

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