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Obamas NSA-Rede : Wir stehen vor dem Abgrund, Mr. President

  • -Aktualisiert am

Eine neue weltpolitische Lastenverteilung: Beim Brückenbau in die Zukunft wird Obama Merkels Hilfe brauchen Bild: AP

Barack Obama hat über die Zukunft der NSA gesprochen. Er muss das Vertrauen der Bürger in den Staat wieder herstellen. Aber was geschieht, wenn er versagt?

          Wir sind eine Weile umhergewankt und haben versucht, auf die alte Weise mit einer neuen Zivilisation umzugehen, aber wir müssen anfangen, diese Welt zu verändern.“ - Wenn Ihnen diese Worte wahr erscheinen, sollten Sie Mut fassen: Wir haben das schon einmal erlebt.

          Thomas Edison schrieb diese Worte 1912 in einem Brief an Henry Ford. Edison sah die Vereinigten Staaten am Abgrund zu einer neuen industriellen Zivilisation stehen, aber statt Jubel empfand er Verzweiflung.

          Heute stehen wir am Rand eines ähnlichen Abgrunds. Die von Edison und Ford hinterlassene Welt liegt hinter uns. Heute gehen wir einen anderen Weg zu einer neuen Zivilisation - zu einer Informationszivilisation, die das Leben aller Menschen verändern wird. Man rechnet damit, dass Präsident Obama am Freitag in einer lange erwarteten Rede im Justizministerium Veränderungen an den Vorgehensweisen der NSA bekanntgeben wird.

          Zivilisierung der Technik

          Hier geht es um weit mehr als die NSA, Big Tech oder Tagespolitik. Präsident Obama ist mitten in den Ring gestiegen, in dem der Kampf um die Seele der neuen Zivilisation stattfindet, die dieses Jahrhundert beherrschen wird. Wenn er diese Chance nutzt, um eine Brücke in die Zukunft zu bauen, wird er die Hilfe der Bundeskanzlerin Merkel und anderer führender Politiker der Welt brauchen. Aber wenn er versagt, wird der Scheinwerfer sich auf der Suche nach epochaler Führung auf Deutschland und die Europäische Union richten.

          Edison befürchtete, ohne epochale Führung werde das Versprechen der industriellen Zivilisation scheitern - zum Schweigen gebracht durch das Gewicht der alten Welt und ihres Willens zur Macht. Die rasche Industrialisierung stellte die amerikanische und die europäische Gesellschaft vor Herausforderungen, die ihr Vorstellungsvermögen und ihre Fähigkeit überstiegen, die Lawine der Veränderungen mit einer umfassenden Vision jener Zivilisation zu versöhnen, die sie sich wünschten.

          In Amerika waren Jeffersons Ideale schwarz von Ruß, als dort die Industrieproduktion die aller Konkurrenten übertraf. Trotz riesiger neuer industrieller Vermögen waren für gewöhnliche Menschen das Leben kurz und der Arbeitstag lang und gefährlich. Die Hälfte aller Stahlarbeiter verdiente weniger als achtzehn Cent pro Stunde, und ein Drittel arbeitete sieben Tage in der Woche ohne jede Bezahlung von Überstunden. Armut war die Norm, und wenige herrschten über viele. Edison erkannte, dass die Herausforderungen der Zukunft nicht technologischer, sondern institutioneller, sozialer und moralischer Art waren. Er beschrieb die „Verschwendung“ und „Grausamkeit“ der alten Ordnung als „grundfalsch“ und „aus dem Lot“. Er erkannte, dass alles - Gesetze, Geschäftsleben, Arbeit, Politik, Bildung - neu erfunden werden musste, wenn die neuen Technologien ihr Versprechen einer erfolgreichen industriellen Zivilisation erfüllen sollten.

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