Literatur : Der Dämon liegt noch im kleinsten Detail
Mit seinem ersten literarischen Welterfolg schickte António Lobo Antunes 1979 seine Leser an den "Arsch des Judas" - "Os cus de judas". So nannten portugiesische Wehrpflichtige das ferne Angola, in dem sie, oft fast noch Kinder, ...
Mit seinem ersten literarischen Welterfolg schickte António Lobo Antunes 1979 seine Leser an den "Arsch des Judas" - "Os cus de judas". So nannten portugiesische Wehrpflichtige das ferne Angola, in dem sie, oft fast noch Kinder, Anfang der siebziger Jahre für die greise Diktatur in Lissabon einen ebenso sinn- wie aussichtslosen Kolonialkrieg ausfechten mussten. Unter ihnen der Autor selbst. Als "melancholischer Erbe eines plumpen und siechen Landes, eines Europa voller Furunkel von Palästen und Blasensteinen kranker Kathedralen" verarbeitete er brillant sein eigenes Trauma zu einer schonungslosen Abrechnung. Ein Tabubruch im damaligen Portugal. Und offenkundig auch in Deutschland. Der Roman erschien hierzulande unter dem kurios prüden Titel "Der Judaskuss".





