Ein leichter Vorhang aus Beton
Eine der prominentesten und gleichzeitig unsinnigsten Debatten der neueren deutschen Architekturgeschichte drehte sich um die Frage, ob die Mitte Berlins eher
Eine der prominentesten und gleichzeitig unsinnigsten Debatten der neueren deutschen Architekturgeschichte drehte sich um die Frage, ob die Mitte Berlins eher mit gläsern-stählernen oder mit klassisch-sandsteinernen Gebäuden wieder aufgebaut werden solle. Nach über zwei Jahrzehnten hektischer Städtebauerei und falscher Diskussionen - statt über die Fassadenfrage hätte man sich besser früher über die desaströse Liegenschaftspolitik der Stadt und den Ausverkauf der öffentlichen Räume gestritten - hat Berlin zahllose schlechte Beispiele für beides: gräuliche Steinfassaden, die wie petrifizierte Aktenordner Spalier stehen; hektisch einherzackende Glaskeile wie das monströs misslungene Kranzler-Eck, die wie gebaute Warnungen aussehen, es doch in Zukunft besser nicht mehr mit Stahl und Glas zu versuchen. Im Meer der öden bis schrillen Durchschnittlichkeiten rissen einen allenfalls vereinzelte, paradiesvogelartige Sonderauftritte aus dem bauästhetischen Koma - das von Sauerbruch Hutton gezeichnete GSW-Hochhaus an der Rudi-Dutschke-Straße zum Beispiel, das sich ab 1999 als schwingender Gegenbau zum senkrechten Goldbarren des Springer-Konzerns präsentierte.





