Bachmannpreis in Klagenfurt : Das Lieblingstier heißt Rehragout

Immer Tod, immer irgendwas Skurriles! Ferdinand Schmalz schöpft aus vermeintlichen Abgeschmacktheiten etwas gänzlich Neues. Der frisch gekürte Bachmannpreisträger ist nicht das einzig Bemerkenswerte des diesjährigen Wettlesens.
Wo ist denn das raisonnierende Ich geblieben? könnte eine der Fragen lauten, die man sich in diesem Jahr stellt. Oder: Wo sind die Nazi-Opas hin? Oder: Ist die Prosalyrik wirklich so tot? Einige beliebte Formate der letzten Jahre fehlten beim 41. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, und man vermisste sie zugegebenermaßen nicht sonderlich. Stattdessen wurde eine ganze Menge dessen aufgeboten, was immer gerne mit der schönen Vokabel "Welthaltigkeit" belegt wird, weil es um das unakademische, nicht selten prekäre Leben geht, das Autoren wie Jury gern aus den Schreibstuben heraus bestaunen. Dazu passt, dass Franzobel in seiner Klagenfurter Rede am Eröffnungsabend den Kampf gegen das Kapital an sich einforderte und selige Papiernostalgie ventilierte. Kurz zusammengefasst: Wenn alles erst einmal virtuell und anklickbar ist, seien unsere korrumpierten Hirne verloren, deshalb gehe man besser auf die Straße und protestiere gegen die Großkonzerne und die Weltordnung. Der aber, denkt man sich als Zuhörer, kommt man wohl am allerwenigsten mit solchen Gemeinplatzreden bei, aber immerhin brennt danach nichts.


