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Wirtschaftspolitik in Berlin : Wir wollen euer Geld nicht

Berlin ist ständig im Werden. Bild: dpa

Die deutsche Hauptstadt wird von Investoren umschwärmt wie nie. Doch ihre Politiker sind störrisch, und lokale Widerstandsgruppen sind gut organisiert. Tolle Projekte lösen sich in Luft auf.

          8 Min.

          Man soll die Aussagekraft von Toilettenanlagen nicht überhöhen, aber mitunter lassen sich an ihrem Zustand größere Zusammenhänge erklären. Das gilt für Grundschulen und manchmal auch für Restaurants. Es gilt aber vor allem für Berlin. Dort gibt es ganz vorbildliche öffentliche Toilettenhäuschen, barrierefrei, erschwinglich, sogar preisgekrönt. Trotzdem werden sie auf Betreiben der Senatsverwaltung demontiert. Von Januar an werden dann neue aufgebaut, nur diesmal ohne Werbung.

          Corinna Budras

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das ist der Senatsverwaltung wichtig: dass der bisherige und künftige Betreiber der Toilettenhäuschen, die in Berlin ansässige Wall GmbH, nicht mehr hemmungslos, geradezu unkontrolliert mit der Werbung auf ihren Toilettenhäuschen Geld verdienen kann und die öffentliche Toiletten-Versorgung nicht mehr vom „Grad der Kommerzialisierung des öffentlichen Straßenlandes durch Werbeanlagen“ abhängt. Werbung und Toilettenbetrieb werden von nun an sauber getrennt. Mit anderen Worten: Berliner und Touristen werden künftig auch an Plätzen mit weniger Werbung ihre Notdurft verrichten können. Der Betreiber Wall hat sich lange dagegen gesträubt, aber jetzt räumt er etwas ermattet ein: „Wir haben zum ersten und einzigen Mal in der Unternehmensgeschichte in Deutschland unser klassisches Geschäftsmodell Sachleistung gegen Werbung verlassen.“ Dafür muss die Firma jetzt erst einmal ordentlich in Vorleistung gehen.

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