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Tom Enders im Gespräch : „Wir werden auch künftig keine risikoarme Branche sein“

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Hand in Hand die CebIt eröffnet: EADS-Chef Enders und Kanzlerin Merkel Bild: dapd

Brennende Batterien und Produktionsprobleme: Tut der Luftfahrtindustrie zu viel Innovation nicht gut? Der Vorstandsvorsitzende des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Tom Enders, warnt im Interview mit der F.A.Z. davor, „halbgare Dinge“ in die Flugzeuge zu packen.

          Herr Enders, freuen Sie sich, wenn Ihr Konkurrent Boeing Probleme hat - wie zuletzt mit den Lithium-Ionen-Batterien des Modells „Dreamliner“, die in Brand gerieten?

          Nein, überhaupt nicht. Schadenfreude wäre völlig fehl am Platze. Wir haben es ja schon selbst erlebt, was bei der Entwicklung eines neuen Flugzeugs alles schiefgehen kann. Ich rede über die A380-Entwicklung, wo wir bekanntlich mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen hatten ...

          ... die Auslieferung musste wegen Produktionsproblemen um Monate verschoben werden.

          Am Ende hatten wir sogar über ein Jahr Verzug, und der Produktionshochlauf machte große Probleme. In Bezug auf Boeing ist Schadenfreude auch deshalb nicht angebracht, weil die Zertifizierung unseres neuen Langstreckenfliegers durch die Luftfahrtbehörden, eine nervöse FAA und EASA, jetzt sicher nicht einfacher wird. Und auch viele Kunden sind natürlich verunsichert.

          Was kann Airbus aus dem Desaster bei Boeing lernen?

          Erstens, Innovationen müssen einen hohen Reifegrad haben, bevor sie in Flugzeugen zum Einsatz kommen. Zweitens haben wir bei den Batterien entschieden, keine Experimente zu machen und auf die erprobte Nickel-Cadmium-Technologie zurückzugehen. Wir hatten hier zum Glück einen Plan B.

          Sie haben während Ihrer Cebit-Rede von mehr Innovation in der Luftfahrt gesprochen. Der Einsatz von Nickel-Cadmium ist etwa so, als würde man in der IT-Branche wieder Computer aus den 60er Jahren benutzen.

          Das ist erheblich übertrieben. Die genauen Ursachen der Batterieprobleme beim Dreamliner sind offensichtlich immer noch nicht bekannt. Wir haben daher der Sicherheit und unserem Auslieferungsplan für den A350 ab 2014 Vorrang eingeräumt. Dafür haben wir von unseren Kunden viel Lob bekommen. Wir haben den Vorteil, mit dem A350 gut zwei Jahre hinter Boeing zu liegen. Das gibt uns mehr Reaktionszeit, wenn wir, wie jetzt bei der 787, Probleme beobachten, die auch unser Flugzeug betreffen könnten.

          Haben Sie sonst noch etwas gelernt?

          Wir sind in vielen Bereichen vorsichtiger geworden, und wir haben unser Risikomanagement erheblich verbessert. Wir prüfen heute auch kritischer als früher, ob und wo Innovation wirklich Kundennutzen schafft. Unsere Lehre lautet: Innovationen müssen reif sein. Wir dürfen keine halbgaren Dinge in unsere Flugzeuge packen, wo Probleme dann vorprogrammiert sind. Allerdings: Innovation bedeutet, technologisches Neuland zu betreten. Und da können Sie schlicht nicht alles vorhersehen. Kurzum: Wir werden auch in Zukunft keine risikoarme Branche sein!

          Gab es denn in der Vergangenheit Innovation um der Innovation willen?

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