Kommentar : Wer sich mit der mächtigen Autoindustrie anlegt
Wenn IG Metall, Arbeitgeberverband, Betriebsrat, Vorstand und Politiker gleich welcher Couleur einer Meinung sind - dann sollte ein Investor wie die Familie Hastor aus Bosnien hellhörig werden.
Es ist schon bemerkenswert, wenn es gelingt, IG Metall und Arbeitgeberverband, Betriebsrat und Vorstand sowie Politiker gleich welcher Couleur zu einer Meinung zu bringen. Der bosnischen Industriellenfamilie Hastor ist genau dieses Kunststück geglückt, seit sie sich vor mehr als einem Jahr an dem bayerischen Autozulieferer Grammer beteiligt hat.
Den Hastors schlägt die geballte Ablehnung auch deshalb entgegen, weil sie im vergangenen Sommer mit einem Lieferboykott die Produktionsbänder des Volkswagen-Konzerns stilllegten. Nun genießen zwar auch die Wolfsburger Dieselbetrüger in der Öffentlichkeit nicht den besten Ruf. Aber ein Zulieferer riskiert wegen schwieriger Verhandlungen über Lieferkonditionen trotzdem nicht den offenen Streit – und gefährdet damit die Vertragsbeziehung mit Europas größtem Autokonzern.
Seit die Hastors Großaktionär von Grammer sind, achten alle Autohersteller genau auf das Geschäftsgebaren des Sitzeherstellers aus Amberg. Die ersten Aufträge wurden schon storniert.
Wenn die Hastors in der mächtigen Autoindustrie in Ungnade fallen, kann es zuerst die Mitarbeiter von Grammer treffen, dann aber auch die Beschäftigten in anderen Zulieferbetrieben der Familie. Das wäre auch für Goražde, die Heimat des bosnischen Industriellenclans, ein harter Schlag.






