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Fehlschlag LKW-Allianz : VW, MAN und Scania steuern in die Sackgasse

Scania-LKW im Klimatunnel Bild: Peggy Bergman

Rund 15 Milliarden Euro hat Volkswagen bislang in seine große Lastwagen-Allianz investiert. Von der gemeinsamen Entwicklung einer neuen Truck-Generation ist aber nicht viel zu erkennen.

          Die Volkswagen AG hat neue Sparideen im Nutzfahrzeugbündnis mit MAN umgesetzt. Das  Aktionärstreffen von MAN wird am 15. Mai nicht in München, sondern auf dem Messegelände in Hannover stattfinden. Das ist zwei Tage nach der Hauptversammlung von VW - praktisch. Die verbliebenen freien Aktionäre von MAN müssen sich an den neuen Ort gewöhnen, aber das muss die Wolfsburger nicht stören. Aufgrund des seit Mitte 2013 bestehenden Beherrschungsvertrags hat ohnehin nur VW das Sagen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Mit zwei direkt hintereinander stattfindenden Hauptversammlungen an einem Veranstaltungsort spart VW einen mittleren einstelligen Millionenbetrag. Das ist allerdings wenig, wenn man es mit den großen Verbundvorteilen (Synergien) vergleicht, die man sich aus einem engen Bündnis der Nutzfahrzeuggeschäfte von VW, MAN und der schwedischen Scania eigentlich erhofft hatte. Die aber sind derzeit nicht zu erkennen. Zumindest sind nun aber wieder die kurzfristig veranschlagten, kleineren positiven Effekte greifbar. „Wir liegen im Rahmen der kommunizierten Ziele und werden bis Ende 2014 Synergien in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro erreicht haben“, sagt ein Konzernsprecher auf Anfrage.

          Still geworden um Piëchs Pläne

          Dieser Betrag ist nicht nur mehr als erwartet; er kommt nun auch schneller. Vor einem dreiviertel Jahr hatte VW die kurzfristige Realisierung ad acta gelegt und Ersparnisse von „rund 200 Millionen Euro“ allenfalls auf mittlere Sicht, also eher in drei Jahren, in Aussicht gestellt. Dass es nun besser läuft, hängt mit Erfolgen im gebündelten Einkauf von Produktionsmaterialien wie Stahl oder von Entertainment- und Navigationsgeräten zusammen.

          Still ist es jedoch um die hehren Pläne geworden, die VW-Patriarch und Konzernstratege Ferdinand Piëch umsetzen will, um den großen Wettbewerbern wie Daimler auch im Lastwagen-Geschäft Paroli zu bieten. Nach Schätzungen von Unternehmensinsidern hat Volkswagen seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts rund 15 Milliarden Euro für die Umsetzung von Piëchs Lastwagen-Idee allein in den Erwerb von Anteilen an Scania und MAN investiert. Ein erster, bescheidener Rückfluss könnte nun Ende des Jahres kommen. Die einmal von Piëch in die Runde geworfenen Synergieeffekte von 1 Milliarde Euro aufgrund der großen Mengeneffekte wurden aber nie bestätigt.

          Die Allianz schläft noch

          Von gemeinsamen Entwicklungsarbeiten für die neuen Nutzfahrzeuggenerationen von MAN und Scania ist wenig zu vernehmen. Emsiges Treiben wäre vonnöten, weil nach bisherigen Plänen in etwa drei Jahren neue Fahrzeuge der beiden Marken auf die Straße kommen sollen. Die Konkurrenten Mercedes, Volvo und DAF haben das schon vergangenes Jahr gemacht. Drei Jahre bis zum Marktstart bedeuten in der langlebigen Lastwagen-Branche nicht viel Zeit. Dem Vernehmen nach wird trotz des Zugzwangs recht wenig zwischen Wolfsburg, Hannover (VW Nutzfahrzeuge), Södertälje (Scania) und München gereist, noch weniger gemeinsam getüftelt oder gewerkelt.

          „Die Kooperation zwischen Volkswagen, MAN und Scania verläuft planmäßig“, heißt es von VW mit Verweis auf die gestarteten „vielen gemeinsamen Projekte“. Entwicklungsbezogene Projekte dagegen bräuchten angesichts der im Lkw-Bereich im Vergleich zum Autogeschäft wesentlich längeren, manchmal gar doppelt so langen Modellzyklen mehr Zeit, was durch unterschiedliche Produktzyklen noch verkompliziert werde. Das betrifft wichtige Komponenten wie Getriebe, Abgasreinigung oder Achsen, die in einer Art Baukasten für MAN- und Scania-Fahrzeuge gemeinsam entwickelt werden sollen.

          „Bei der Abstimmung von Baukastensystemen braucht es Zeit“, heißt es bei MAN. Bei Scania spricht man auch von gemeinsam mit MAN erstellten Machbarkeitsstudien über interessante Synergien und Möglichkeiten, an denen weiter gearbeitet werde. Es gebe außerdem einen Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Scania und VW in der Informationstechnik, Produktion und Logistik. Diese Projekte liefen nach Plan. „Scania kann aber keine Prognosen geben, wann und in welchem Ausmaß die Ergebnisse der verschiedenen Projekte kommuniziert werden können“, sagt ein Sprecher des schwedischen Nutzfahrzeugkonzerns.

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