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Investmentbanking : Deshalb braucht es eine Deutsche Bank

  • -Aktualisiert am

Vor den Büros der Deutschen Bank in London Bild: Reuters

Die Deutsche Bank taumelt. Deutsche Konzernlenker machen sich bereit, ihr Kapital zu geben. Warum ist eine deutsche Bank für die Unternehmen so wichtig?

          4 Min.

          Der Deutschen Bank geht es schlecht. Nach einer Reihe von Skandalen und Fehlentscheidungen droht ihr aus den Vereinigten Staaten eine Milliardenstrafe, 14 Milliarden Dollar sind gefordert. Gerüchte über Rettungspläne der Bundesregierung und der deutschen Industrie für das bei weitem größte deutsche Geldhaus machen die Runde. Es stellt sich die Deutsche-Bank-Frage: Brauchen wir überhaupt eine große deutsche Bank?

          Die Sache scheint zunächst klar: Die Exportnation Deutschland bedarf einer auf der ganzen Welt tätigen Bank, die ihren Unternehmen bei Geschäften im Ausland und auf internationalen Finanzmärkten zur Seite steht, heißt es. Großfusionen in diesem Jahr zeigen jedoch, dass deutsche Unternehmen durchaus auch auf ausländische Banken vertrauen. Die Mega-Übernahme von Monsanto durch Bayer wurde ohne Beteiligung einer deutschen Bank eingefädelt. Siemens' Windkraftsparte wurde mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa zum Windmarkt-Weltmarktführer zusammengeführt – die Transaktion wurde ausschließlich von ausländischen Banken begleitet. Gleiches gilt für Milliardenübernahmen der spanischen Krankenhausgruppe IDC durch den hiesigen Branchenprimus Helios und den amerikanischen Lackspezialisten Chemetall durch BASF. Wenn deutsche Unternehmen auch bei ihren größten Deals ohne eine deutsche Bank auskommen, wozu denken sie dann über Finanzspritzen für die Deutsche Bank nach?

          „Betriebswirtschaftliche Gründe gibt es nicht“ sagt der Kieler Finanzprofessor Peter Nippel. Gerade Großkonzerne sind nicht auf ein deutsches Geldhaus in der Größenordnung der Deutschen Bank angewiesen. „Höchstens für Unternehmen aus der 2. Reihe, aus dem Mittelstand, kann eine große deutsche Bank von Vorteil sein“, sagt der Finanzanalyst Philipp Hässler von Equinet. Allerdings reichten dem Mittelstand kleinere Banken wie die Commerzbank, Helaba oder eben eine „gestutzte Deutsche Bank“ vollkommen aus, um zum Beispiel Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen.

          Sollten Lücken durch einen Rückzug der Deutschen Bank entstehen, würden ausländische Konkurrenten diese ohnehin schnell schließen, so Hässler. Schließlich ist der deutsche Markt für Banken aus Amerika und dem europäischen Ausland ausgesprochen attraktiv.

          Deutsche Konzernchefs betonen das Vertrauen

          Trotzdem bekunden deutsche Wirtschaftslenker vollmundig ihre Loyalität gegenüber der Deutschen Bank, sie sollen gar darüber nachdenken, zur Not Kapital zu geben. „Die deutsche Industrie braucht eine Deutsche Bank, die uns in die Welt hinaus begleitet“, sagte  der BASF-Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Hambrecht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Wenn wir auch in Zukunft im weltweiten Wettbewerb bestehen wollen, ist es für uns wichtig, einen global Player wie die Deutsche Bank an unserer Seite zu haben“, bekräftigt RWE-Chef Peter Terium. Für eine exportorientierte Wirtschaft wie die deutsche wäre es schlecht, „wenn wir den Zugang zu den weltweiten Kapitalmärkten nur noch über Banken in anderen Ländern sicher stellen könnten“, sagt Eon-Chef Johannes Teyssen.

          Dax-Chefs betonen immer wieder die zentrale Rolle von „Vertrauen“ in ihrem Verhältnis zur Deutschen Bank. „Vertrauen ist der Anfang von allem“, hieß der Slogan der Deutschen Bank einst – jetzt scheint er sich zu bewahrheiten. Zwar ist die Deutsche Bank nicht mehr das Nervenzentrum der „Deutschland AG“ – war sie 1990 laut Deutscher Monopolkommission noch in Aufsichtsräten von 35 der 100 größten deutschen Unternehmen vertreten, waren es 2014 nur noch 2. Doch das Netzwerk hat sich keineswegs aufgelöst.

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