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Tim Kanning (kann.)

Gute Geschäftsergebnisse : Die wichtigste Erkenntnis zur Deutschen Bank

  • -Aktualisiert am

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Bild: dpa

Mit überraschend starken Zahlen startet die Deutsche Bank ins zweite Corona-Jahr. Das hat mehrere Gründe.

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          Der gute Lauf der Deutschen Bank geht weiter: Nicht nur hat sie ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 ihren ersten Jahresgewinn nach vielen hohen Verlustjahren erzielt. Auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres hat die Bank unter der Führung ihres Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing viel besser abgeschnitten als die meisten Beobachter erwartet hatten.

          Das liegt abermals zum Großteil an den Investmentbankern, die weiter von der Corona-Sonderkunjunktur an den Anleihemärkten getragen werden. Die wichtigste Erkenntnis der Quartalszahlen ist aber: Auch die anderen Geschäftssparten entwickeln sich positiv. Vor allem im Geschäft mit Unternehmens- und Privatkunden gelingt es der Bank zunehmend, die Bürde der Negativzinsen abzulegen.

          Für die Kunden ist das ein Ärgernis: Immer mehr von ihnen müssen auf ihre Einlagen die Strafzinsen bezahlen, die die Bank ihrerseits an die Europäische Zentralbank abtreten muss. Die Bank profitiert aber inzwischen in mehrerlei Hinsicht von der immer länger währenden Negativzinsphase. 

          Inzwischen profitiert die Bank von den Negativzinsen 

          Erstens: Je mehr Institute Negativzinsen auf das Ersparte ihrer Kunden berechnen, desto leichter ist es für die Bank, das ebenfalls zu tun – die Kunden können schließlich nicht mehr so einfach zu einem anderen Institut wechseln. Zweitens: Weil viele Kunden eben keine Negativzinsen bezahlen wollen, schichten sie immer mehr Geld in Aktienanlagen um, was der Bank den besten Jahresauftakt seit Langem im Wertpapiergeschäft mit Privatkunden und somit hohe Provisions-Einnahmen beschert hat. Und drittens: Je länger die Niedrig- und Negativzinsphase andauert, desto geringer wird die Auswirkung auf die Ergebnisse der Bank.

          Über Jahre musste sie alte hoch verzinste Anlageprodukte durch neue niedrig verzinste ersetzen, was vor allem die Unternehmenskunden- und die Privatkundensparte belastete. Im Unternehmenskundengeschäft soll dieser Effekt schon im nächsten Jahr nicht mehr zu spüren sein, wie Finanzvorstand James von Moltke am Mittwoch vorrechnete. In der Privatkundensparte, die allein durch die Negativzinsen nach Angaben der Bank mit einem hohen dreistelligen Millionen-Fehlbetrag ins Jahr starte, soll die Belastung in diesem Jahr nur noch halb so hoch sein.

          DT. BANK

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          Mit Blick auf die Corona-Pandemie zeigt sich die Bank optimistisch – zumindest was die Gefahr von Kreditausfällen betrifft. Die Risikovorsorge werde voraussichtlich auf 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro sinken von 1,8 Milliarden Euro im Vorjahr, sagte Finanzchef von Moltke in einer Telefonkonferenz am Mittwoch. Nachdem die Bank ihre Risikovorsorge im ersten Halbjahr 2020 deutlich aufgestockt hatte, schätzt sie die Gefahr massiver Kreditausfälle etwas durch Unternehmensinsolvenzen nun offenbar deutlich geringer ein. 

          Keine zwei Jahre nachdem Bankchef Christian Sewing dem Konzern seine neue Strategie verordnet, kann er damit schon erfreuliche Erfolge feiern. Wie nachhaltig die Profite sind und wie viel die Bank der Corona-Sondersituation zu verdanken hat, muss sich noch zeigen. Doch dass das Finanzhaus auch jenseits der gut laufenden Anleihemärkte seine Gewinne steigern kann, ist ein gutes Zeichen für die Bank und ihre Aktionäre.  

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

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