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Neue SAP-Spitze im Porträt : Der jüngste Mann und die erste Frau

  • -Aktualisiert am

Der neue SAP-Co-Chef Christian Klein (rechts), der ehemalige Chef Bill McDermott (l.) und die neue Co-Chefin Jennifer Morgan im Mai 2018 in Mannheim. Bild: Picture-Alliance

Christian Klein und Jennifer Morgan führen künftig SAP. Sie ist die erste Dax-30-Vorstandschefin. Und er noch keine 40 Jahre alt.

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          Ein 39 Jahre alter Senkrechtstarter aus Baden und eine 48 Jahre alte Amerikanerin werden SAP, den größten Softwarekonzern Europas, künftig leiten,. Wahrlich ein Paukenschlag. Über Jennifer „Jen“ Morgan, die erste Frau an der Spitze eines Dax-Unternehmens, ist in Deutschland wenig bekannt, obwohl sie seit 2004 bei SAP arbeitet und seit 2017 im Vorstand ist. Und obwohl jeder nachhören kann was sie denkt, zumindest über Führung und Frauen in Führungsposition. In ihrem öffentlichen Podcast „A Call to Lead“ redet sie regelmäßig mit bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten, zuletzt unter anderem mit Tony Blair. Dass sie in Deutschland dennoch nicht ins Rampenlicht gerückt ist, liegt vor allem daran, dass sie von Amerika aus arbeitet. Dort ist sie sozusagen das Gesicht von SAP. Neben dem Tagesgeschäft muss sie sich um die Diplomatie kümmern, mit der Regierung reden, dem Kongress.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Ein Aufgabe, die in Zeiten von Donald Trumps wirtschaftspolitischen Irrläufen an Bedeutung kaum zu unterschätzen ist. Ihren Dienstsitz im SAP-Hauptquartier nahe Philadelphia will die Mutter von zwei Teenagern auch nach ihrer Ernennung zur „Ko-CEO“ behalten. Ihr Mann, heißt es, kümmre sich und die beiden Jungs. In Amerika hat der Aufstieg der studierten Betriebswirtin jedenfalls schon für Aufmerksamkeit gesorgt. Immerhin verantwortet sie von dort aus das gesamte Geschäfte in Nordamerika und fast ganz Asiens. Das Magazin Forbes führte sie deshalb schon 2017 auf Rang 43 in der Liste der einflussreichsten Frauen.

          2018 ist sie aus dem Ranking herausgefallen, das dürfte sich nun aber wieder ändern. Ehrgeizig jedenfalls ist sie und erfolgreich auch. Alle großen Zukäufe der vergangene Jahre von Concur bis Qualtrics sind Teil der Cloud Business Group, die sie zuletzt verantwortete, und um die sie sich auch in als Vorstandssprecherin kümmern soll. Der härtest Teil ihrer Aufgabe sei sicherzustellen, dass sich SAP schnell genug neu erfinde, sagte sie Anfang des Jahres dem „Philadelphia Inquirer“.

          Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung

          Morgan hat in Harrisonburg, im Bundesstaat Virginia Ökonomie studiert; vor ihre Zeit bei SAP arbeitete sie unter anderem bei Accenture und dem zwischenzeitlich vom SAP-Konkurrente Oracle geschluckten Softwarekonzern Siebel. Sie sitzt zudem im Aufsichtsrat der Bank of New York Mellon.

          Christian Klein ist nicht nur der aktuell jüngste Vorstandsprecher eines Dax-30-Unternehmens. Er hat bei SAP auch die derzeit wohl wichtigste Aufgabe. So verrückt es klingen mag: Klein muss den deutschen IT-Vorzeigekonzern fit machen für die Digitalisierung. Das mit mehr als 130 Milliarden Euro Marktkapitalisierung mit Abstand „teuerste“ deutsche Unternehmen mit bald 100.000 Mitarbeitern, Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung; ein Konzern, der mit seinen Programmen Tausende andere Unternehmen in die digitale Welt führen will, hat Fett angesetzt und muss selbst umgebaut werden.

          Um zu verstehen, warum der Übervater, Mitgründer und Aufsichtsratchef Hasso Plattner ausgerechnet dem 39 Jahre alte Badener und jungen Vater diese Aufgabe anvertraut, hilft vielleicht diese Anekdote: Klein musste, als er noch einfacher Controller war, Quartalszahlen vor Plattner präsentieren. Wie immer tat er das mit Grafiken, erstellt mit Power Point. Plattner aber gefiel das nicht. Das sei nicht mehr akzeptabel für ein digitales Unternehmen, da müsse es doch eine bessere Lösung geben. Also machte sich der bedröppelte junge Betriebswirt an die Arbeit und entwickelte mit Plattners Leuten im Potsdamer Hasso-Plattner-Institut innerhalb von drei Monaten eine digitale Lösung. Eine, die der Konzern heute als „Digital Boardroom“ vermarktet, eine Art Cockpit zur Echtzeitsteuerung von Unternehmen. Umsätze, Regionen, Konkurrenz, Währungen – alles, was zählt, immer aktuell, immer im Blick.

          Weder schillernd noch laut

          Plattner war offenbar zufrieden und schickte Klein, der im Jahr 1999 schon als Werksstudent zu SAP kam, nach Amerika – damals wurde er zum Finanzvorstand der gerade gekauften Tochtergesellschaft Success Factors berufen. Im Silicon Valley gebe es nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr unbedingten Willen zum Erfolg. Auch das Scheitern sei anders als in Deutschland kein Makel, sagte Klein im vergangen Jahr im Gespräch mit der F.A.Z.

          Seine Bodenständigkeit hat der Ausflug aber nicht erschüttert. Im amerikanischsten aller deutschen Unternehmen hat sich Klein seine Nüchternheit bewahrt. Ohnehin ist der neue Ko-Vorstandssprecher von SAP weder schillernd noch laut, noch macht er den Eindruck, er könne sich selbst überschätzen. In seinem etwas zu großen dunklen Anzug und mit dem freundlichen badischen Dialekt wirkt er nicht wie einer, den man als Erstes für eine Mammutaufgabe auswählen würde. Reflektiert und nachdenklich ist er, ruhig, kein Heißsporn. Alles in allem: Niemand, von dem man glaubt, er könnte einen ganzen Konzern auf den Kopf stellen. Dabei ist genau das seine Aufgabe, seit er im Jahr 2018 in den Vorstand gerückt ist.

          Gefragt nach dem Schlüssel für seinen Aufstieg, fiel Klein im Gespräch mit der F.A.Z. die Antwort schwer. Mit seinem Vater, dem christdemokratischen Landtagsabgeordneten Karl Klein, verbinde ihn sicher der Ehrgeiz, sagte er. Aber sonst? Er mache eben seine Arbeit. Aufgewachsen ist er im Kraichgau mit Eltern und Schwester, studiert hat er an der Dualen Hochschule in Mannheim. So weit, so normal. Geholfen habe ihm, dass er viele Stationen bei SAP durchlaufen habe und dadurch viele Teile des Unternehmens und viele Mitarbeiter kenne, obwohl er doch selbst kein Programmierer sei. Ob der Aufstieg in den Vorstand das Verhältnis zu den Mitarbeitern verändert habe? Eigentlich nicht, sagt er. Nur manchmal, da werde er gesiezt.

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