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Prognose von Ökonomen : Die Corona-Rezession kommt

  • -Aktualisiert am

Michael Hüther, Gabriel Felbermayr, Sebastian Dullien, Peter Bofinger, Jens Südekum, und Clemens Fuest (von links nach rechts) Bild: dpa

Führende deutsche Wirtschaftswissenschaftler schreiben Wachstum für dieses Jahr ab – und fordern mehr staatliche Hilfe für die Unternehmen.

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          Nach Ansicht von Ökonomen geht die von CDU/CSU und SPD bislang beschlossene Unterstützung für die Wirtschaft in der Corona-Krise noch nicht weit genug. „Es sind bereits jetzt weitergehende Schritte erforderlich“, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten 15-seitigen Papier von sieben Wirtschaftswissenschaftlern, das diese am Mittwoch in Berlin vorgestellt haben. Sie schlagen unter anderem vor, dass die Finanzämter fällige Steuerzahlungen zinslos stunden sollten, dass der Solidaritätszuschlag schon im Juli dieses Jahres für das Gros der Steuerzahler gestrichen werden sollte, auch eine befristete Senkung der Einkommensteuer sei eine Option. Als „ultima ratio“ schlagen sie einen Unternehmungsrettungsfonds vor, bei dem sich der Staat an den Unternehmen beteiligen würde – so wie nach der Finanzkrise an der Commerzbank.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Ökonomen – Peter Bofinger, Sebastian Dullien, Gabriel Felbermayr, Clemens Fuest, Michael Hüther, Jens Südekum und Beatrice Weder di Mauro – gehen davon aus, dass die Virusinfektion den mehr als zehn Jahre währenden Aufschwung in Deutschland beenden wird. Im ersten Halbjahr werde die Wirtschaft „mit Sicherheit“, womöglich auch im Gesamtjahr in die Rezession rutschen, sagte Gabriel Felbermayr, Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Für die Eurozone als Ganzes sagt er ein „homöopathisches Wachstum“ von 0,1 Prozent voraus. Felbermayr und Fuest gehören mit ihren Instituten auch dem Kreis jener fünf Wirtschaftsforschungsinstitute an, die am 8. April ihr Frühjahrsgutachten für die deutsche Wirtschaft vorstellen.

          Just-in-time-Lieferungen als Problem

          Die Bundesregierung hat in den vergangenen Tagen schon verschiedene Maßnahmen angestoßen, um die Unternehmen finanziell zu entlasten. Der Zugang zum Kurzarbeitergeld wurde erleichtert, Überbrückungskredite bei der staatlichen KfW-Bankengruppe gibt es ohnehin schon. Bis Ende der Woche wollen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zudem ein Konzept für Steuerstundungen vorstellen. Beide Minister haben bereits angekündigt, dass die Regierung auch deutlich mehr Geld in die Hand nehmen würde, sollte sich die gesamtwirtschaftliche Lage deutlich verschärfen. Noch aber sehen sie keinen Grund für das Abrücken vom Grundsatz der Schwarzen Null, dem ausgeglichenen Haushalt – auch wenn sich die Ökonomen ein solches Signal wünschen würden. In der Finanzkrise habe der damalige EZB-Präsident Mario Draghi mit seinem „whatever it takes“ – was immer nötig ist – ein Zeichen gesetzt, lobte der frühere Wirtschaftsweise Bofinger.

          Wie lange die Rezession anhalten wird, darauf wollten sich die Ökonomen nicht festlegen. Aber ähnlich wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gehen sie eher von mehreren Monaten als von mehreren Wochen aus. Hoffnungsvoll stimme, dass China und Südkorea den Tiefpunkt offenbar hinter sich hätten, sagte Felbermayr. Die Ökonomen rechnen allerdings damit, dass die Krise auch langfristig Folgen haben wird. Die Just-in-time-Lieferungen – nicht aus China, aber aus Ländern wie Italien – würden sich jetzt als Problem erweisen. „Wir können davon ausgehen, dass wir mehr Lagerbildung in Europa sehen werden“, sagte Felbermayr. Die ohnehin schon zu beobachtende De-Globalisierung könnte durch das Coronavirus noch verstärkt werden.

          Die Vorsichtsmaßnahmen der Behörden – die Absage von Fußballspielen, Messen, Konzerten – halten die Ökonomen für angemessen. „Besser ein temporärer ökonomischer Schock heute als noch höhere Kosten in der Zukunft“, sagte Jens Südekum von der Düsseldorfer Heinrich‐Heine‐Universität Düsseldorf.

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