Pharmaforschung :
Neues Tempo unterm Bayer-Kreuz

Jonas Jansen
Ein Kommentar von
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Das Bayer-Kreuz leuchtet über dem Chemiepark in Leverkusen.
Das Bayer-Kreuz leuchtet über dem Chemiepark in Leverkusen.dpa

Die Pharmasparte des Dax-Konzerns arbeitet durch das neue Organisationsmodell viel schneller als bisher. Das ist ein Erfolg, wirft im Rückblick aber auch Fragen auf.

„Zeit ist Geld“ mag eine Binsenweisheit sein, aber in der Pharmaforschung ist sie auch bittere Realität. Denn Patente, die vor Nachahmung schützen, gelten rund um die Welt zwar 20 Jahre, garantierte Einnahmen sichern sie allerdings nur für eine deutlich kürzere Zeit. Denn zwischen Patentanmeldung und Markteinführung liegen meist viele Jahre, in denen umfangreiche Studien erprobt werden und Zulassungsprozesse laufen. Preisverhandlungen mit den Ländern, in denen ein Mittel auf den Markt kommen soll, können das Ganze noch weiter in die Länge ziehen.

Umso höher ist der Anreiz für Unternehmen, zumindest alle Zeitfresser zu reduzieren, auf die man selbst Einfluss hat. Für das neue Schlaganfall-Medikament Asundexian von Bayer, das jetzt eine erste Zulassung in China erhalten hat, ist das eine Jahr Vorsprung gegenüber der Konkurrenz viel wert. Zeit ist Geld.

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Experten, nicht Chefs sollen entscheiden

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg ist das neue Organisationsmodell, nach dem Bayer seit einigen Jahren arbeitet. Mit „Dynamic Shared Ownership“ hat der Dax-Konzern nicht nur zahlreiche Management-Ebenen gestrichen, sondern auch viel mehr Verantwortung in die einzelnen Teams verlagert. Das Ziel ist, dass 95 Prozent der Entscheidungen nicht in Leitungsgremien getroffen werden, sondern von den jeweiligen Experten, die am nächsten am Problem dran sind.

Anders als früher sind jetzt alle Teams in der Entwicklung eines Produktes gebündelt, von der Forschung über die klinische Entwicklung und den Marktzugang bis zur Produktion sitzen alle an einem Tisch. Die Übertragung größerer Freiheit geht freilich auch mit einer größeren Verantwortung einher, aber sie bringt eben auch Geschwindigkeit.

Im konkreten Fall auch messbar: Ende November vergangenen Jahres hat Bayer erste ermutigende Daten bekommen zur Wirksamkeit des Mittels. Für die Kommerzialisierung eines Medikaments muss ein Team dann erheblich größer werden. Was früher sechs bis acht Monate gedauert hätte, ging nun viel schneller. Noch vor Weihnachten hatte der Teamleiter eine komplette Truppe aus Experten zusammen. Das ist auf der einen Seite ein Erfolg, auf der anderen Seite auch verblüffend: weil es zeigt, wie viel Zeit Bayer früher verplempert hat.

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