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Wer zerstört, muss zahlen : Der Königsweg zur Nachhaltigkeit

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Allein die deutsche Landwirtschaft verursacht 90 Milliarden Euro Umweltschäden im Jahr. Das Foto allerdings zeigt einen Baumwollfarmer in Texas. Bild: Lucas Foglia, courtesy Michael H

Wer Naturkapital zerstört, muss auch für dessen Wiederherstellung verantwortlich sein. Das ist der einzige Weg, um menschliche und wirtschaftliche Dramen zu vermeiden. Ein Gastbeitrag.

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          „Alle reden von Nachhaltigkeit, aber jeder versteht darunter etwas anderes. Der eine möchte vor allem den Klimawandel stoppen, der andere will den Hunger in der Welt bekämpfen, einem Dritten sind Meere ohne Plastikmüll wichtig“ – so beginnt ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 12. Oktober 2020. Warum ist das so, und warum haben wir dennoch in puncto Nachhaltigkeit bisher so wenig erreicht? Diese Frage beschäftigte schon Ernst Friedrich Schumacher (1911 bis 1977), den deutschstämmigen britischen Ökonomen. In seinem Buch „Small is Beautiful – A study of Economics as if People Mattered“, das 1973 und damit 14 Jahre vor der offiziellen Definition von „nachhaltiger Entwicklung“ durch die Brundtland-Kommission erschien, identifiziert Schumacher ein uraltes Fehlverständnis der westlichen Welt als entscheidende Ursache: Die Natur ist kein Einkommen, sondern ein Kapital, das es zu erhalten gilt!

          Mit dieser Erkenntnis wird klar: Alle Tätigkeiten, die Naturkapital zerstören, weil sie mehr als deren Rendite nutzen, sind nicht nachhaltig und damit nicht zukunftsfähig. Dass sich in der Vergangenheit so wenige Unternehmen und Politiker für den Erhalt des Naturkapitals einsetzten, lag wiederum daran, dass Natur lange als Gemeingut verstanden wurde, das nahezu unbegrenzt und kostenfrei allen Menschen zur Verfügung steht.

          Die Natur wird übernutzt

          Heute hat sich die Situation grundlegend geändert. Angesichts der rasch wachsenden Weltbevölkerung (sie hat sich in den letzten 60 Jahren annähernd verdreifacht) ist Naturkapital zum limitierenden Faktor für die weitere Entwicklung von Wohlstand und Wohlbefinden der Menschheit geworden. Klimawandel, der Verlust biologischer Vielfalt, Bodendegradation, die Verschmutzung von Luft und Wasser sind die Folge eines einzigen menschlichen Fehlverhaltens, nämlich der Übernutzung der Natur. Noch immer wird sie zu häufig als Abfallhalde oder als Ressourcenlieferant missbraucht.

          Die Globalisierung erlaubt es dabei den reichen Wirtschaftsländern, durch Warenimporte mehr Naturkapital zu verbrauchen, als ihnen in ihrem eigenen Land zur Verfügung steht. Sie zerstören so Naturkapital im Ausland. Nun ist globales Handeln gefragt, aber was genau muss passieren? Der nachfolgend skizzierte „Königsweg zur Nachhaltigkeit“ ist nicht neu, er feiert gerade seinen 100. Geburtstag (Arthur Cecil Pigou 1920: The Economy of Welfare) und verdient besondere Beachtung.

          Grundlage für einen Übergang zur Nachhaltigkeit muss der Wille sein, dass wir als Individuen, als Unternehmer, als Staat und als globale Gesellschaft den aktuellen Bestand unseres Naturkapitals erhalten. Danach gilt das Verursacherprinzip: Wer Naturkapital zerstört, ist auch für dessen Wiederherstellung verantwortlich.

          Dies erfordert drei Maßnahmen. (1) Wir als Individuen, als Unternehmer, Staatsbürger oder Mitglied der globalen Gesellschaft müssen die externen Effekte unseres wirtschaftlichen Wirkens auf das Naturkapital offenlegen und als externe Kosten monetär bewerten. (2) Diese externen Kosten müssen internalisiert, also auf die Produktpreise umgelegt werden. Schon damit wird ein wichtiger Steuerungseffekt in Richtung Nachhaltigkeit erzielt, denn so erhöhen sich die Preise für die umweltschädlichen Produkte deutlich mehr als für die umweltschonenden. (3) Der Mehrertrag durch Umlage der externen Kosten auf die Produktpreise wird dann zur Wiederherstellung des geschädigten Naturkapitals verwendet – das Ziel der Nachhaltigkeit ist damit erreicht.

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