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Höhere Energiekosten : Inflation in Deutschland steigt auf 4,5 Prozent

Zapfpistolen an einer Berliner Tankstelle: Kraftstoffe werden teurer. Bild: dpa

Vor allem der enorme Anstieg der Benzinpreise treibt die Teuerung. Die Commerzbank erwartet noch vor Jahresende eine Fünf vor dem Komma der Inflationsrate.

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          Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland nimmt kein Ende. Vor allem die Preisrally bei Benzin und Diesel hat die Inflationsrate offenbar weiter nach oben getrieben. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag nach einer ersten Schätzung mitteilte, sind die Verbraucherpreise in Deutschland im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,5 Prozent gestiegen, nach 4,1 Prozent im September.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das war die höchste Inflationsrate in Deutschland seit immerhin 28 Jahren. Im Oktober 1993, wenige Jahre nach der Wiedervereinigung,  hatte die Rate das letzte Mal bei 4,5 Prozent gelegen – war danach aber wieder gesunken.

          Vor allem die Preise für Sprit und Heizöl sind zuletzt ungewöhnlich stark gestiegen. Zeitweise mussten Autofahrer zumindest an Autobahnen 1,90 Euro und mehr für einen Liter Super E10 ausgeben. Der Durchschnittspreis liegt mittlerweile bei 1,684 Euro. Diesel ist mit 1,572 Euro je Liter sogar so teuer wie noch nie in der Geschichte.

          Kraftstoffe kosten 33,7 Prozent mehr

          Genauere Angaben über den Anstieg der Verbraucherpreise erfährt man aus den detaillierter veröffentlichten Zahlen der Statistischen Landesämter. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise sind die Preise für Kraftstoffe im Vergleich zum Vorjahresmonat um 33,7 Prozent gestiegen. Das war offenbar der entscheidende Faktor für die Verteuerung der Lebenshaltungskosten. Im September hatte der Anstieg immerhin schon 28,6 Prozent betragen. Diesel wurde sogar 41,7 Prozent teurer als vor einem Jahr; der im Vergleich zu Super geringere Steueranteil lässt dabei den Preisanstieg beim Rohöl stärker durchschlagen.

          Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätte die Inflationsrate in NRW bei 3 statt 4,5 Prozent gelegen, hebt Holger Schmieding hervor, der Chefvolkswirt des Bankhauses Berenberg. Bei anderen Preisen, die in den vergangenen Monaten ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt hatten, habe sich die Lage dagegen sogar etwas beruhigt. Für Nahrungsmittel sei die Inflationsrate in NRW auf 4,3 Prozent nach 4,9 Prozent im September etwas zurückgegangen.

          Bei Pauschalreisen habe sich mit dem Ende der Hauptreisesaison der Anstieg von 3,4 Prozent im September auf 2,4 Prozent im Oktober ermäßigt. Der Jahresvergleich für Bekleidungspreise sei zuletzt recht volatil gewesen, da die Pandemie im Vorjahr das saisonale Muster der üblichen Sommerschlussverkäufe durcheinander gebracht habe, sagt Schmieding: „Hier ist die Jahresvergleichsrate auf 0,8 Prozent im Oktober gesunken, nach 2,6 Prozent im September.“

          Wenige Kellner, hohe Preise

          Dagegen genießen die Bürger weiterhin die Freiheit, wieder fast unbeschränkt essen gehen zu können. „Bei hoher Nachfrage, relativ hohen Preisen für Nahrungsmitteln und einem Kellner-Mangel sind Gaststättendienstleistungen in NRW im Oktober 4 Prozent teurer gewesen als im Vorjahr, nach einem Anstieg von 3,8 Prozent gegenüber Vorjahr im September“, sagt Schmieding.

          Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband veröffentlichte eine Umfrage, dass die Inflation derzeit die größte Sorge für viele Sparer sei.  73 Prozent der Menschen sähen die Inflationsentwicklung kritisch. Bei den über 60-Jährigen seien es 85 Prozent, in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen 61 Prozent.

          Zumindest für den November wird noch mal mit einem weiteren Anstieg der Inflationsrate gerechnet. Die Commerzbank prognostiziert, dass man noch in diesem Jahr eine Fünf vor dem Komma sehen wird. Die Bundesbank hat die Einschätzung abgegeben, die Rate werde sich zumindest weiter „in Richtung 5 Prozent“ entwickeln - im nächsten Jahr aber wieder fallen. Insbesondere die Rohstoffpreise hatten zuletzt immer höhere Steigerungsraten aufgewiesen.

          Importpreise steigen wie lange nicht

          Am Mittwoch berichtete das Statistische Bundesamt, die Importpreise in Deutschland hätten im September 17,7 Prozent über den Werten des Vorjahresmonats gelegen. Einen höheren Preisanstieg hatte es zuletzt im August 1981 im Rahmen der zweiten Ölpreiskrise gegeben. Energieeinfuhren insgesamt verteuerten sich im September um 107,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Preise für Erdgas stiegen um 170,6 Prozent, die für importierte Steinkohle um 135,7 Prozent und die für Erdöl um 75,5 Prozent.

          Im nächsten Jahr dürften bestimmte Faktoren rund um Corona, die im Moment die Inflation gleichsam künstlich hochtreiben, entfallen. Viele Ökonomen und auch die Notenbanken rechnen dann mit einem gewissen Rückgang der Inflationsraten. Wie weit runter das aber gehen wird, ist umstritten. Die Bundesbank hat die Annahme geäußert, dass noch Mitte nächsten Jahres die Inflationsrate in Deutschland bei mehr als 2 Prozent liegen wird.

          Es gibt aber auch Anzeichen, die darauf hindeuten könnten, dass die Inflationsraten sogar dauerhaft höher seien könnten. Der britische Professor Charles Goodhart beispielsweise hat die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass bestimmte Faktoren, wie die Globalisierung und die demographische Entwicklung, die bislang die Inflation niedrig gehalten haben, sich teilweise umkehren könnten.

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