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Erkenntnisse von IW-Studie : Die Einkommensschere schließt sich

Sichtbarer Wohlstand: Ein Mann trägt eine teure Armbanduhr und Goldschmuck. Bild: Laila Sieber

Die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer reicher – die These ist politisch beliebt. Sie lässt sich in Deutschland einer neuen Studie zufolge aber kaum halten.

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          Die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer reicher: Mit dieser These begründeten SPD, Grüne, Linke und Gewerkschaften schon im Wahlkampf Forderungen nach einem höheren Mindestlohn und höheren Sozialleistungen für Arbeitslose, gekoppelt mit einer stärkeren Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen. Aber inwieweit trifft die These auf Deutschland überhaupt zu?

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat dies nun anhand einer Reihe von Indikatoren für die vergangenen Jahrzehnte überprüft und zieht ein klares Fazit: Das „oft bemühte sprachliche Bild einer sich immer weiter öffnenden Einkommensschere zwischen Arm und Reich“ erweise sich als „wenig stichhaltig“. Kurz gefasst: Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen ist zuletzt klar gestiegen. Zugleich zahlen Gutverdiener einen höheren Anteil der Einkommensteuern als 1998. Und der Anteil der Bürger mit Einkommen unterhalb der statistischen Armutsrisikoschwelle sinkt.

          Nach der Jahrtausendwende war die Lohnquote tatsächlich von zuvor gut 70 Prozent auf etwa 65 Prozent gesunken, wie IW-Forscher Maximilian Stockhausen anhand amtlicher Daten nachzeichnet. Diese Quote gibt an, welcher Anteil des gesamten Volkseinkommens auf dem Weg über Entgelte für abhängige Arbeit an Arbeitnehmerhaushalte fließt. Unter den Einfluss sinkender Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahrzehnt drehte der Trend jedoch: Die Lohnquote pendelte sich bei 69 Prozent ein, bis die Schwäche der Industrie und die Corona-Krise zu einem weiteren Schub führten. Infolge sinkender Kapitaleinkommen stieg die Lohnquote im Jahr 2020 auf 74 Prozent.

          Höhere Einkommen zahlen mehr Steuern

          Die Anteile der unterschiedlichen Einkommensschichten am Aufkommen der Einkommensteuer haben sich demgegenüber nicht so stark verschoben. Von den umstrittenen Entlastungen höherer Einkommen durch die rot-grüne Koalition ist statistisch nichts mehr übrig: Das obere Zehntel der Haushalte zahlte zuletzt 51 Prozent der gesamten Einkommensteuern, knapp einen Prozentpunkt mehr als 1998. Der Anteil der unteren Hälfte lag fast unverändert bei 7,3 Prozent.

          Daneben analysiert die Studie, wie sich die Ungleichheit der Einkommen entwickelt hat. Hier ist das Gesamtbild weniger klar – was vor allem am Faktor Migration liegt: Der Anteil der Haushalte, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügen, schwankt seit etwa 2005 zwischen 14 und 17 Prozent, mit steigender Tendenz insbesondere um das Jahr 2015. Dies, so Stockhausen, sei damit zu erklären, dass damals viele zunächst mittellose Flüchtlinge neu ins Land kamen und seither in die Statistik einfließen. Andernfalls wäre der Anteil der ärmeren Haushalte gesunken. Als ermutigend wertet der Forscher, dass sich dieser zuletzt wieder stabilisiert habe. Insgesamt lasse sich seither eine „Phase des inklusiven Wachstums“ feststellen – wozu neben der Integration auch die Bewältigung der Pandemiefolgen zähle.

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