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Corporate-Governance-Kommission : BASF-Chef Bock will die Tugendwächter loswerden

  • -Aktualisiert am

BASF-Chef Kurt Bock Bild: AFP

Die Corporate-Governance-Kommission der deutschen Wirtschaft kommt im eigenen Lager unter Beschuss. „Die Kommission hat sich überlebt“, sagte BASF-Chef Kurt Bock der Sonntagszeitung.

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          Wenn eine vermeintliche Top-Position zu besetzen ist und niemand findet sich, dann ist irgendwas faul. Die Suche nach einem neuen Vorsitzenden für die Corporate-Governance-Kommission ist dafür ein beredtes Beispiel: Gerhard Cromme war der erste Frontmann des Gremiums, Nachfolger Klaus-Peter Müller, seines Zeichens Aufsichtsratschef der Commerzbank, will dieses Jahr aufhören - und niemand steht bereit. Allmählich aber drängt die Zeit: Wer also soll es machen? „Am besten niemand“, sagt BASF-Chef Kurt Bock. Der Klardenker aus Ludwigshafen ist der erste Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns, der offen ausspricht was auch andere denken: Die Kommission hat sich überlebt. „Jetzt wäre der geeignete Zeitpunkt, sie ganz aufzulösen, der Abschied ist überfällig“, sagt Bock, der den Club lieber heute als morgen nach Hause schicken will, „mit allem Dank und in allen Ehren.“

          Gestartet waren die Tugendwächter der deutschen Wirtschaft vor elf Jahren, damals nach einer Idee der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder. Inzwischen hat die „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“, so der offizielle Name, jedoch schwer an Ansehen eingebüßt: Mehrere Mitglieder sind unter Protest ausgetreten, der Sinn der Veranstaltung ist immer schwerer zu erkennen. Ein Anliegen war es, internationale Investoren mit den Besonderheiten des deutschen Systems vertraut zu machen: Das haben die inzwischen kapiert, Auftrag erledigt. Dann sollten der freiwillige Kodex die Politik von gesetzlichen Regelungen abhalten - gemessen an dem Anspruch sei die Kommission gescheitert, argumentiert Bock. „Im Zweifel wurde die Politik trotzdem aktiv, nutzte die Entwürfe der Kommission sogar als Steilvorlage.“ Jüngstes Beispiel: Das Gesetz zur Bezahlung von Managern, über die künftig die Hauptversammlung abstimmen soll.

          Zu allem Überfluss begleitet das Gremium von jeher der Vorwurf „Wasser predigen, Wein trinken“ - Cromme wie Müller waren einst direkt vom Vorstand in den Aufsichtsrat ihrer jeweiligen Konzerne gewechselt: Der Kodex empfiehlt es anders. Und schließlich haben die Sittenwächter ein handfestes Problem: Es fehlt an Geld. Da die Kommission als Selbstregulierung der Wirtschaft gedacht ist, bleibt der Staat außen vor. Das Budget, so hat es sich eingebürgert, trägt der Vorsitzende - nicht aus eigener Tasche, sondern aus der Kasse des Konzerns, aus dem er stammt. Im Falle Müllers also zahlt die Commerzbank, womit indirekt doch wieder der Steuerzahler an Bord wäre, wie Spötter anmerken. Nur welches Unternehmen steht heute noch als Sponsor bereit? Die BASF jedenfalls nicht.

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