https://www.faz.net/-gqe-797zm

Corporate-Governance-Kommission : BASF-Chef Bock will die Tugendwächter loswerden

  • -Aktualisiert am

BASF-Chef Kurt Bock Bild: AFP

Die Corporate-Governance-Kommission der deutschen Wirtschaft kommt im eigenen Lager unter Beschuss. „Die Kommission hat sich überlebt“, sagte BASF-Chef Kurt Bock der Sonntagszeitung.

          1 Min.

          Wenn eine vermeintliche Top-Position zu besetzen ist und niemand findet sich, dann ist irgendwas faul. Die Suche nach einem neuen Vorsitzenden für die Corporate-Governance-Kommission ist dafür ein beredtes Beispiel: Gerhard Cromme war der erste Frontmann des Gremiums, Nachfolger Klaus-Peter Müller, seines Zeichens Aufsichtsratschef der Commerzbank, will dieses Jahr aufhören - und niemand steht bereit. Allmählich aber drängt die Zeit: Wer also soll es machen? „Am besten niemand“, sagt BASF-Chef Kurt Bock. Der Klardenker aus Ludwigshafen ist der erste Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns, der offen ausspricht was auch andere denken: Die Kommission hat sich überlebt. „Jetzt wäre der geeignete Zeitpunkt, sie ganz aufzulösen, der Abschied ist überfällig“, sagt Bock, der den Club lieber heute als morgen nach Hause schicken will, „mit allem Dank und in allen Ehren.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gestartet waren die Tugendwächter der deutschen Wirtschaft vor elf Jahren, damals nach einer Idee der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder. Inzwischen hat die „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“, so der offizielle Name, jedoch schwer an Ansehen eingebüßt: Mehrere Mitglieder sind unter Protest ausgetreten, der Sinn der Veranstaltung ist immer schwerer zu erkennen. Ein Anliegen war es, internationale Investoren mit den Besonderheiten des deutschen Systems vertraut zu machen: Das haben die inzwischen kapiert, Auftrag erledigt. Dann sollten der freiwillige Kodex die Politik von gesetzlichen Regelungen abhalten - gemessen an dem Anspruch sei die Kommission gescheitert, argumentiert Bock. „Im Zweifel wurde die Politik trotzdem aktiv, nutzte die Entwürfe der Kommission sogar als Steilvorlage.“ Jüngstes Beispiel: Das Gesetz zur Bezahlung von Managern, über die künftig die Hauptversammlung abstimmen soll.

          Zu allem Überfluss begleitet das Gremium von jeher der Vorwurf „Wasser predigen, Wein trinken“ - Cromme wie Müller waren einst direkt vom Vorstand in den Aufsichtsrat ihrer jeweiligen Konzerne gewechselt: Der Kodex empfiehlt es anders. Und schließlich haben die Sittenwächter ein handfestes Problem: Es fehlt an Geld. Da die Kommission als Selbstregulierung der Wirtschaft gedacht ist, bleibt der Staat außen vor. Das Budget, so hat es sich eingebürgert, trägt der Vorsitzende - nicht aus eigener Tasche, sondern aus der Kasse des Konzerns, aus dem er stammt. Im Falle Müllers also zahlt die Commerzbank, womit indirekt doch wieder der Steuerzahler an Bord wäre, wie Spötter anmerken. Nur welches Unternehmen steht heute noch als Sponsor bereit? Die BASF jedenfalls nicht.

          Weitere Themen

          Ein kühner Plan gegen Unilever

          Teurer Abzug aus Niederlande : Ein kühner Plan gegen Unilever

          Unilever überlegt seine Ko-Zentrale in Rotterdam zu schließen – und würde damit die niederländische Unternehmenswelt auf den Kopf stellen. Doch der Umzug könnte für den Konzern teuer werden.

          Scholz wirbt für Zeitungslektüre

          20 Jahre F.A.Z.-Schülerprojekt : Scholz wirbt für Zeitungslektüre

          24.000 Teilnehmer aus etwa 1260 Schulen – seit 20 Jahren läuft das F.A.Z.-Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“ schon. Schulklassen lesen gemeinsam die F.A.Z. – und schreiben selbst Artikel. Scholz findet: Zeitungen zu lesen erweitert den Horizont.

          Topmeldungen

          Auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Krise: Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), Markus Söder (CSU) und Tobias Hans (hinten rechts), neben Hans: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

          Corona-Pandemie : Jetzt ist entschlossenes Handeln gefragt

          Womöglich stehen wir vor einer neuen exponentiellen Ausbreitung des Coronavirus. Die Vorzeichen sind ganz anders als im Frühjahr – doch auch für eine lokale Eindämmung der Pandemie müssen die Ministerpräsidenten jetzt eine gemeinsame Linie finden.
          Die Unilever-Zentrale in Rotterdam

          Teurer Abzug aus Niederlande : Ein kühner Plan gegen Unilever

          Unilever überlegt seine Ko-Zentrale in Rotterdam zu schließen – und würde damit die niederländische Unternehmenswelt auf den Kopf stellen. Doch der Umzug könnte für den Konzern teuer werden.
          Leere Ränge: Wie will die Eintracht Zuschauer sicher in das Stadion bringen?

          Stadionbesuch in Frankfurt : „Bringen Sie Geduld mit“

          Frankfurts Organisationschef Philipp Reschke erklärt im F.A.Z.-Interview, was für die Eintracht-Fans in Zeiten der Pandemie beim Stadionbesuch erlaubt ist und was sie erdulden müssen.
          Der emeritierte Monarch Juan Carlos.

          Geliebte des Königs klagt an : Der König wird zum Opfer erklärt

          Die ehemalige Geliebte des spanischen Königs Juan Carlos bezichtigt die spanische Königsfamilie eines „Staatsstreichs“. Für Sayn-Wittgenstein-Sayn ist der emeritierte Monarch das „Opfer“ seiner Ehefrau Sofía und des früheren spanischen Ministerpräsidenten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.